Goodbye meine Nerds

Es soll ja Leute geben die in Azeroth verschwunden sind. Wer das nicht glaubt, der muss nur bei Google die Worte „Sucht“ und „WoW“ eingeben. Schon warnen besorgte Eltern, Suchtberater oder Panik-Mache-Medien vor den immensen Gefahren des Computerspiels World of Warcraft.

Tja, nach deren Standard war ich wohl auch süchtig und jetzt, nach dreieinhalb Jahren, drei Erweiterungen und acht Chars bleibt die Frage: Werde ich es vermissen? Ja, definitiv. Das Spiel? Weniger, mehr die Leute hinter den Pixeln. Die Menschen, die als Blutelfen, Goblins, Orks, Tauren, Trolle und Untote an meiner Seite standen. Und ja – auch die (irrgeleiteteden) Draenei, Gnome, Menschen, Nachtelfen, Worgen und Zwerge, die mich für die kurze Zeit als Allianzler begleitetenden. Dieser Text ist euch gewidmet.

Nun, zunächst einmal: Wie sieht es eigentlich aus mit den „Real Life“-Freunden, also jenen, die ich im „echten Leben“ kennen gelernt habe? Die Wenigen die sie stets waren, sie sind immer noch da. Sie haben zwar nie ganz verstanden warum ich WoW so toll fand, aber andererseits kapiere ich die Vorliebe für gewisse andere Hobbies auch nicht. Mich bekämen beispielsweise keine zehn Pferde dazu, mit angeklebten Elfenohren durch den Wald zu hopsen, zweimal die Woche Pfeile an ein Brett zu schmeißen oder händchenhaltend Gruppen-Meditationen durchzuführen. Gut, man kann jetzt sagen: Die hatten immerhin soziale Kontakte. Da muss ich aber kontern: Ich auch.

Das ist wohl der eine Aspekt, den Kritiker, Skeptiker oder schlicht Ahnungslose und Klugscheißer nie verstehen: WoW bedeutet nicht nur ein paar Pixel auf dem Bildschirm hin und her bewegen, sondern es geht darum GEMEINSAM mit anderen in der Pixel-Welt Erfahrungen zu sammeln. Und genau das macht einen nicht unerheblichen Teil des Suchtfaktors aus. Wer alleine mit seiner Elfe durch eine PC-Welt hüpfen will, der soll bei Zelda und seiner Konsole bleiben.

In WoW geht es darum in Teamarbeit die bösen Monster oder Gegenspieler (in meinem Fall Allys :D) zu besiegen. Es geht um Feiern im Teamspeak, gemeinsames Tüffteln und manchmal, da geht es auch um persönliches. Das die anderen dabei nur deine Stimme hören oder sehen was du schreibst und dich ansonsten als Knock-Out in Blutelfengestalt oder fiesen Untoten wahrnehmen, ein Bonus.

Denn in diesem Spiel ist es aufeinmal egal, dass du 20 Kilo zuviel wiegst und optisch mehr Ähnlichkeit mit Roseanne Barr als mit Eva Longoria hast (bei den Männern das Dependant Ottfried Fischer bzw. Brad Pitt). Es interessiert niemand, dass du schüchtern und verklemmt bist und im richtigen Leben noch mit 37 bei Mama wohnst und dich nie traust jemand vom anderen Geschlecht anzusprechen. In Azeroth bist du ein Charakter und nur was du mit diesem leistest, dass ist relevant. In einer Welt, die nur auf Äußerlichkeiten reduziert und jedem, der von der Norm abweicht als asozial einstuft, ist WoW eine Erleichterung.

Vielleicht bin ich deshalb solange dabei geblieben. Vielleicht auch nicht. Ich mochte das Spiel. Ich mag es immer noch. Aber selbst das beste PC-Spiel hat irgendwann sein Ablaufdatum erreicht, selbst World of Warcraft. Oder auch, alles Gute muss irgendwann mal enden. Manch einer mag nun applaudieren und sagen: „Endlich ist sie zur Vernunft gekommen„. Diesen Leuten kann ich nur sagen: Gerade nachdem ich das jetzt hier geschrieben habe, tut ihr mir sogar noch mehr leid als vorher. Engstirnigkeit ist nicht weit entfernt von Dummheit und ich finde es schade, dass ihr weiterhin denkt, es gehe ums Pauschalisieren. Ich will mir gar nicht vorstellen wie es ist, mit sovielen Vorurteilen zusammenzuleben.

Wie meine Kriegerin stets zu sagen pflegte: -I got all this, and personality too-

Daher: Machs gut Azeroth und all ihr liebgewonnen Nerds. Einige von euch bleiben mir ja erhalten 🙂 ♥

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