Kein Budget für Patienten

Arzt, Medizin, Spritze, Tabletten, BehandlungWenn es eine Sache gibt, die man heutzutage definitiv nicht mehr werden sollte, dann ist das krank. Zumindest darf es nichts Schwerwiegenderes als ein Schnupfen oder maximal eine Erkältung sein – alles was in Richtung ernsthafter Erkrankung geht, kann schlimm enden. Nicht mal unbedingt wegen der Krankheit, sondern wegen den behandelnden Ärzten.

Mittwochmorgen, 7:30 Uhr in der Früh – ich stehe in der Dusche, bücke mich, rutsche ab und habe kurz das Gefühl, dass sich meine komplette Wirbelsäule mal kurz neu aufhängt. Es folgen Panik, Übelkeit und vor allem: Ein Schmerz als würde mir jemand ein Messer in den unteren Rücken stoßen. Hexenschuss heißt das Ganze im Volksmund und mein einziger Trost ist, dass ich noch stehen kann und es sogar irgendwie aus der Dusche in meiner Kleidung und sogar bis zum Arzt schaffe. Das ist nicht mein erster Hexenschuss und das letzte Mal musste ich den Notarzt rufen, weil ich einfach zusammengeklappt bin und nicht mehr aufstehen konnte.

Das Gute: Dieses Mal weiß ich, was am besten hilft – keine Spritze oder Medikamente, sondern Physiotherapie. Nachdem ich mich also irgendwie zu meiner Ärztin geschleppt und ihr erzählt habe, was passiert ist, frage ich sofort danach. Sie verzieht das Gesicht und es entwickelt sich folgendes Gespräch:

Ärztin: „Physiotherapie? Aber da müssen sie doch eh mindestens drei Wochen für einen Termin warten.“
Ich: „Naja, letztes Mal kam ich innerhalb von einer Woche dran.“
Ärztin: „Also…hm…Physiotherapie verschreibe ich ganz ungern.“
Ich: „Aber das letzte Mal als ich einen Hexenschuss hatte, war das Einzige was wirklich geholfen hat die Physiotherapie.“
Ärztin: „Ja, die habe aber nicht ich ihnen verschrieben.“

Was stimmt – das letzte Mal als ich einen Hexenschuss hatte, meinte besagte Ärztin: „Nehmen sie einfach eine Woche lang Ibuprofen und gehen sie viel spazieren. Das hilft am besten.“ Was nicht stimmt. Drei Wochen später konnte ich immer noch nicht wirklich sitzen und da ich einen Job habe, der zu 90% sitzend ausgeführt wird, war die Arbeit eine Qual. Als ich endlich den Termin beim Orthopäden (der tatsächlich eine dreiwöchige Wartezeit für einen Termin hatte) bekam, ist dieser fast ausgeflippt. „Wie sie arbeiten? Keine Physiotherapie? Was haben Sie denn für eine Ärztin?“. Ja. Zurück also zum Gespräch mit besagter Ärztin am Mittwoch:

Ärztin: „Also ich gebe ihnen jetzt eine Spritze und dann gehen sie zur Kollegin für eine Stromtherapie. Physiotherapie können sie sich ja dann von ihrem Orthopäden verschreiben lassen.“
Ich (fassungslos): „Aber ich habe einen Hexenschuss und ich weiß, dass die Physiotherapie hilft!“
Ärztin (ungeduldig): „Ich habe kein Budget für eine Physiotherapie – seit direkt neben unserer Praxis eine Physiotherapeutin aufgemacht hat, kommen die Leute ständig und wollen Rezepte für Verspannungen und sowas.“
Ich (immer noch fassungslos): „Aber ich habe keine Verspannungen, sondern einen Hexenschuss!“
Ärztin: „Ich habe kein Budget.“

Um das jetzt mal zusammenzufassen: Meine Ärztin verweigert eine Behandlung die mir als Patientin mit hoher Wahrscheinlichkeit hilft, weil „sie kein Budget hat“. Kein Budget! Ich muss an dieser Stelle den Text kurz abbrechen und mich kurz beruhigen…

[HIER KURZ SEHR LAUTES SCHREIEN DAZUDENKEN]

…so, weiter im Text: Eine komplett nutzlose Spritze und Stromtherapie später, bin ich wieder zu Hause und rufe erstmal bei der Physiotherapie an. Als ich der Dame am Telefon das Problem erkläre, fängt sie erst mal ungläubig an zu lachen. Dann erklärt sie mir, dass ich zwar heute vorbeikommen könnte – gerade hat jemand einen Termin abgesagt – ich aber unbedingt ein Rezept bräuchte, weil mich der Therapeut sonst nicht behandeln darf. „Lassen sie sich zur Not ein Privatrezept ausstellen, das kostet die Ärztin dann auch nichts.“

Mein nächster Anruf ist beim Orthopäden, wo mir eine freundliche Dame erklärt, dass sie mich nur dann als Notfall dazwischenschieben können, wenn meine Ärztin bei ihnen anruft und den Notfall bestätigt. Ansonsten hätte sie erst nächste Woche einen Termin frei. Ich rufe also nochmal in der Praxis meiner Ärztin an, die mir auf die Frage, ob sie bitte beim Orthopäden anrufen könne, Folgendes antwortet: „Sie haben doch bereits eine Spritze und die Stromtherapie bekommen, dazu ein Rezept für Schmerztabletten. Damit sind sie definitiv kein Notfall mehr.“

[HIER ERNEUT SEHR LAUTES SCHREIEN DAZUDENKEN]

Das Privatrezept, das könne sie mir aber ausstellen. Das (vorläufige) Ende dieser Geschichte, ist, dass ich mit Privatrezept zur Physiotherapie gehe (und wahrscheinlich deshalb mittlerweile auch wieder für zehn Minuten sitzen, ohne größere Schmerzen liegen und halbwegs gehen kann). Die Dame in der Physiotherapie meint auch, dass mir der Orthopäde wohl ein Rezept ausstellen wird und sie „dann das Privatrezept einfach wegschmeißt und die bereits getätigte Behandlung einfach damit verrechnet.“ Für meine Ärztin hat sie nur ein ungläubiges Kopfschütteln übrig.

Für alle die jetzt übrigens meinen: Ja gut, die Ärztin ist beschissen, wechsle doch einfach – das versuche ich bereits seit zwei Jahren. Das Problem ist aber, dass sämtlich Praxen im Umkreis Patientenstopp haben und sie meine nächstgelegene Ärztin ist. Ob sie schlecht und unfähig ist, spielt dabei keine Rolle – ich kann faktisch nicht wechseln. Es bleibt also nur eines: Bloß nicht krankwerden.

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