WENN DU NICHTS NETTES ZU SAGEN HAST, DANN SCHWEIG

Devil, Hate, Anger, PainWir haben ein Problem mit dem Glücklich sein. Vielleicht, weil wir es nicht sind oder vielleicht, weil wir gerade nichts haben, über das wir uns beschweren können. Immerhin gibt es mittlerweile schon so etwas wie eine Beschwerde-Kultur. Früher nannte man das Troll, heute heißt es „digitaler Mensch“.
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Ich glaube ja, dass soziale Netzwerke im Grunde nur das verstärken, was vorher eh schon da war. Facebook, Twitter, Instagram, Snapchat, YouTube usw. machen es nur einfacher. Es gibt nichts, was Leute mehr und schneller zusammenschweißt als gemeinsame Feindbilder. Früher haben die verheirateten, gelangweilten Hausfrauen beim gemeinsamen Kaffeekränzchen über die rabenmütterlichen unverheirateten Alleinerziehenden hergezogen, heute gibt’s dafür eine Facebook-Gruppe wo man in ganz Deutschland Gleichgesinnte findet. Früher musste man mühevoll einen Beschwerdebrief an McDonalds schreiben, heute kann man ihnen auf jedem Social-Media-Kanal quasi täglich die Meinung geigen.

Meckern tut weh – am meisten dir selbst

Ich meine, ich verstehe ja, dass meckern was Befreiendes haben kann. Immer nur alles toll finden ist auf Dauer ja auch nicht gesund. Was ich aber nicht verstehe, ist warum man sich selbst mit Dingen umgeben muss, die man verabscheut, nur um dann täglich auch allen mitzuteilen, wie sehr man sie tatsächlich verabscheut. Es gibt Leute, die folgen bestimmten Social-Media-Accounts nur, um dort täglich ihre Ablehnung unter jedem Post kundzutun. Jeden Tag. Und da frage ich mich: Ist es wirklich die Firma die du so sehr hasst oder einfach nur dein Leben?

Anders bedeutet nicht besser

Ich esse kein Fleisch. Schon seit über 20 Jahren nicht mehr. Daher käme ich auch nie auf die Idee, der Facebook-Seite von einem Steakhouse zu folgen. Ich meine, da würde mir bei jedem Post von einem Stück Fleisch schlecht. Es gibt aber Leute – Vegetarier wie mich, die genau das machen: Sie folgen einem Steakhouse und schreiben unter jedem einzelnen Post, wie schlimm und verabscheuungswürdig doch Fleischgenuss ist. Übrigens, um jetzt hier die Vegetarier nicht zu diskriminieren: Das Gleiche tuen viele „Karnivoren“ auch bei Facebook-Seiten von vegetarischen oder veganen Restaurants. Und ich frage mich nochmal: Warum? Warum macht man so etwas?

Zusammen hasst es sich am Schönsten

Es gibt viele Firmen, die ich nicht mag und bei denen ich niemals etwas kaufen würde. Apple zum Beispiel. Ich käme nie auf den Gedanken, der Firma Apple auf Facebook zu folgen. Oder Til Schweiger. Oder McDonalds. Weil ich die einfach nicht mag und ich denke, dass alle drei damit genauso gut leben können wie ich. Warum also, sollte ich Apple schreiben, dass ich ihre iPhones für überteuerten Schrott halte? Oder Til Schweiger, dass ich seine Filme scheiße finde? Oder McDonalds, dass sie ihr minderwertiges Press-Fleisch behalten können? Nichts davon macht mich persönlich glücklicher – im Gegenteil: Die Chance, dass sich ein Fan auf den Facebook-Seiten dieser drei Beispiele findet, der dann im Gegenzug mich anfeindet, ist relativ hoch – übrigens die Chance, dass ich einen gleichgesinnten Hater finde, ebenfalls.

Vielleicht ist es das: Gleichgesinnte finden, damit man sich in seinem Hass weniger allein fühlt. Oder auch nur die Chance, die Leute in der Anonymität mal so richtig zu beleidigen. Vielleicht auch beides. Aber – mal Hand aufs Herz: Glücklich macht dieser Hass doch nicht oder? Das eigene armselige Leben, in dem man nichts zu sagen hat, wird dadurch kein Stück besser. Vielleicht wäre es daher sinnvoller, sich mal damit zu beschäftigen, was einen eigentlich so unglücklich macht, statt sich darauf zu konzentrieren, anderen das Leben schwer zu machen. Ist natürlich schwieriger und erfordert Selbstreflektion, das gebe ich zu. Kaum einer mag heutzutage noch, was einem im Spiegel entgegenblickt.

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BE SILENT IF YOU GOT NOTHING NICE TO SAY

We have a problem with happiness. Maybe because we are in fact not happy or maybe because we don’t have anything to complain about. I mean after all we seem to live in a culture that thrives on complaining. Before we called it troll now it’s a “digital native”.

I am pretty sure that social media only enhances things that were already there. Facebook, Twitter, Instagram, Snapchat, YouTube and so on only make it easier, especially since there is nothing that bands people together as fast as common enemies. Before it was married, bored housewives sitting together at an afternoon coffee party, tattling about those uncaring, unmarried single mothers they despised. Today, they can do that at a Facebook group, connecting with more like minded-persons than ever before. Before, you had to handwrite a letter of complaint if you were unhappy with a company. Nowadays you can write them daily on every one of their social media channels.

Bitching hurts – most of all you

I mean, I do understand that complaining can be freeing. Always liking everything can’t be healthy. But what I don’t get is why you have to surround yourself with things that you absolutely despise, just so you can actually tell everyone on a daily basis that you do indeed very much despise those things. There are a lot of people who only follow certain social media account so they can write their condemnation under every single post. Every day. And that has me wondering: Is it really that company you hate so much or is it actually your own life?

Different does not mean better

I don’t eat meat. Haven’t eaten it for over 20 years now. That’s why I would never come up with the idea of following a Steakhouse restaurant on Facebook. Because every post of a piece of meat would make me ill. But there are people – vegetarians like me, who do exactly that: The follow a Steakhouse restaurant and write under every single post how despicable the consumption of meat is. And, not to discriminate only vegetarians here – there are a lot of meat eaters who do the exact same thing on the Facebook pages of vegetarian or vegan restaurants. My question to that is: Why? Why do you do something like that?

Hating is best if you do it together

There are a lot of companies I dislike and therefor would never buy anything there. Apple, for example. I would never dream of following them on Facebook (or anywhere else). Or Tom Cruise. Or McDonalds. Simply because I do not like them and I am pretty sure they can live with that just as good as I can. So why should I write Apple that I think their iPhones are overpriced garbage? Or Tom Cruise that I dislike his Scientology affiliation? Or McDonalds that they can keep their poor pressed meat? Not one of those things would make me any happier – quite the contrary: There is a high chance one fan on one of the three pages takes offence in my opinion and starts retaliating – the chance that I’ll find a likeminded hater is equally high.

Maybe that’s what it is: Finding like-minded people in order to not have to hate alone. I mean, Trumps’ whole election is based on common haters banding together. Or maybe it’s the chance to anonymously insult people. Maybe it’s both. But – be honest here: That hate does not make you happy, does it? Your own pathetic life where no one cares about what you have to say does not get any better, does it? Maybe it would be more useful to actually look at what it is that makes you so damn unhappy instead of concentrating on making other peoples’ life just as miserable. But I know, that’s harder isn’t it and it requires self-reflection. Not many people like what they see looking back at them in the mirror.

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