Meinungskrieg

Meinungsfreiheit, MeinungskriegMeinungen sind wie Arschlöcher – wirklich jeder hat eines. Ich weiß, das habe ich letzte Woche schon einmal geschrieben, aber dieses Mal geht es mir um etwas Anderes. Wer sich mal ein bisschen in den sozialen Medien oder diversen Foren umschaut, der stellt ganz schnell fest, dass so gut wie jeder irgendwann mal das Wort „Meinungsfreiheit“ in den Raum stellt. Meistens, um seinen „Diskussionspartner“ mundtot zu machen.
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Meinungsfreiheit bedeutet zwar, dass jeder seine Meinung in Wort, Bild und Schrift äußern darf – es bedeutet aber nicht, dass deshalb jeder andere dieser Meinung auch zustimmen muss. Im Gegenteil, wenn ich jemanden widerspreche mache ich damit ebenfalls meinem Recht auf Meinungsfreiheit Gebrauch. Und tatsächlich kann auch ich mich bei meinem Widerspruch irren (zugegeben, kommt selten vor ;)). Eine Meinung zu haben bedeutet nur, dass man sich zu irgendeiner Sachlage ein Bild gemacht und dazu eine Schlussfolgerung gezogen hat. Leider kann es sich aber bei der Grundlage für meine Meinung um völligen Blödsinn handeln.

Ich nehme es an, also ist es so!

Das Problem bei vielen Diskussionen besteht nun aber darin, dass viele (gefühlt sogar die meisten) Menschen ihre Meinungen nicht mehr reflektieren. Wir übernehmen Informationen von Freunden, Bekannten, Familienmitgliedern, Arbeitskollegen, Medien oder Politikern ohne jegliche Reflektion. Frei nach dem Motto: Wenn die anderen das sagen, dann wird das schon stimmen. Und jeder der uns widerspricht, den schreien wir mit geballter Macht nieder. Das „wir“ ist hier übrigens entscheidend, da man sich stets Menschen sucht, deren Meinungsbild ähnlich aussieht wie unseres. Nicht umsonst rennen Rechts- oder Linksextreme immer in Gruppen rum – und nein, da rede ich noch gar nicht von Demonstrationen.

Konrad Adenauer hat einmal gesagt: „Wenn zwei Menschen immer die gleiche Meinung haben, taugen beide nichts.“ Man mag nun von Herrn Adenauer halten was man will, aber die Aussage dahinter steht für sich allein. Wenn man sich mal ein bisschen im Internet unterhält, stellt man schnell fest, dass es hier eigentlich nur zwei Lager gibt: Die, die eine ähnliche oder sogar gleiche Meinung haben wie ich – und die, die keine Ahnung haben (also die, die eine andere Meinung vertreten). Und hat man erst mal eine Meinung zu irgendwas, rückt man nicht mehr davon ab. Logik? Pah! Quellen? Braucht keiner! Hinterfragen? Wozu, ich weiß doch schon was ich denke.

Meine Meinung steht fest, bitte verwirren Sie mich nicht mit Tatsachen

Das Problem mit dieser Haltung: Sie macht uns nicht nur geistig träge – wenn mich niemand hinterfragt, brauche ich auch nicht zu denken – sondern auch leicht manipulierbar. Man muss sich nur mal anschauen, mit welchen Halbwahrheiten bis ausgewachsenen Lügen z.B. die Trump-Regierung hantiert und wie wenig dies von den Anhängern hinterfragt wird. Muslim-Ban? Da war irgendwo ein völlig erfundenes Attentat! Letzte Nacht in Schweden…ist zwar nichts passiert, aber die bösen Flüchtlinge waren trotzdem schuld! Giftgas in Syrien – da helfen wir den Leuten doch am besten damit, dass wir sie vor den bösen Islamisten/Diktatoren zu Tode bombardieren.

Gerade Amerika ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie wenig Möglichkeiten man hat, der Meinungsmache anderer zu entgehen. Weil sich amerikanische Medien 1) grundsätzlich eigentlich nur für Amerika interessieren und 2) dann auch noch auf ihre jeweilige Stadt oder im großzügigsten Fall ihren Bundesstaat beschränken. Du erfährst also nur, was um dich herum passiert und nicht, was im Rest der Welt so vor sich geht. Außer du beginnst aktiv, dich zu informieren – aber das kostet Zeit und die vorgekaute Meinung ist halt so viel einfacher.

Deutschland, Land der Meinungsgleichheit

Unsere deutschen Medien und Politiker sind im Übrigen sehr bestrebt, auch diesen Vorsprung zu Amerika aufzuholen und jegliche Information gleichzuschalten. Oder zur Not auch einfach Fakten zu erfinden. Und wen kümmert es schon, ob etwas der Wahrheit entspricht – ich nehme an das es so war, also wird es schon auch so gewesen sein. Und überhaupt, hört man doch öfter das so etwas passiert! Bei unserer Meinung – egal aus welcher Quelle wir sie haben – gilt grundsätzlich: Irrtum ausgeschlossen. Also unserer, die anderen irren sich natürlich alle.

Ich bin der Meinung es tut ganz gut, wenn man sich ab und zu mal mit einer Meinung auseinandersetzt, die völlig konträr zu eigenen ist. Nicht unbedingt, um die eigene Meinung zu ändern, sondern um sie zu reflektieren und zu hinterfragen. Um zu sehen, woher die Schlussfolgerung des anderen kommt. Aber dazu muss man sich wohl wirklich auf ein Gespräch einlassen und wer tut das heutzutage schon noch.

 

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The war of opinions

Opinions are like assholes – absolutely everyone has one. I know, I already wrote something similar last week but this time my point is a little different. If you look at bit into conversations on social media channels and message boards you’ll see very quickly that almost everyone will start throwing around the term “freedom of speech”. Most of the time in an attempt to gag his/her opponent.

Yes, freedom of speech means the right to express your opinion(s) in speech and writing – what it doesn’t mean though, is that everyone else also needs to agree with it. Quite the contrary: If I disagree with someone I also do this using my right of freedom of speech. And yes, I can also be wrong in my objection (even though obviously that rarely happens ;)). Having an opinion only means that you judged certain circumstances in a certain way and based on that came to a conclusion. Unfortunately for you, your observation can be complete bollocks.

I assume therefor it is!

The problem with most discussions is that a lot of people (honestly it feels like most of them) do not reflect upon their opinions. We adopt information from friends, family members, colleagues, media or politicians without any reflection at all. True to the motto: If someone else is telling it, there has to be some truth in it. And everyone who disagrees with us will be howled down. The “us” here is the key by the way because we always search for people with a similar (or the same) opinion as ours. There is a reason why you usually see extreme right- and left-wingers in groups – and no, I am not even talking about protest marches.

Konrad Adenauer (the first German chancellor after World War II) once said: “If two people always share the same opinion, one of them is expendable.” Whatever you might think about Mr. Adenauer, the statement stands for itself. If you start talking with people on the internet a bit you will soon realize that there are only two camps: Those who have a similar or the same opinion as we do – and those who have no clue (basically those who disagree with us). And once you have an opinion about something you’ll never change it. Logic? Tsk. Sources? No need. Questioning? Why, I already know what I am thinking.

I am certain, please do not confuse me with facts

The problem with this attitude: Not only does it make us mentally dull (if no one questions me, there is no need to think) but also easier to manipulate. You just need to take a look at the “alternative facts” of the Trump-regime and how little this is being questioned by its supporters. Muslim-Ban? Let’s just fabricate an attack. Last night in Sweden…nothing happened, but the evil refugees were to blame anyway! Poison gas in Syria – let’s help the people by bombing them to death before any Islamists or dictators can get to them!

America is an especially good example on how hard it is to escape propaganda. That is because 1) American media usually only cares about America and 2) even than it is very often restricted to a city or area. This way you only hear about the things happening in your immediate vicinity and very little about all the stuff that is happening in the rest of the world. Unless you actively search for it of course – but research takes time and who has time anyway. Consuming pre-chewed opinions is so much easier anyway.

Germany, the country of free speech

In Germany our media and politicians are very eager to catch up on that and bring all information in line just like our great American examples. And if in need, just make up some facts. Who cares if it’s true or not – I assume it was this way, so it probably was like that. And anyway, you keep hearing about similar stuff all the time. In regards of our opinion we always go with: Error impossible. If it’s our opinion of course, everyone else errs all the time.

In my opinion it is actually a good thing to expose yourself to an opinion that goes completely against yours. Not to change it, but to reflect and question it. To see how someone else came to this certain conclusion. But in order to do that, you need to actually start talking to people and who the hell has time for that.

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