Liebesmärchen

couple, sunset, love, fairy taleFrüher war ich einmal der Meinung, dass eine Story ohne eine Liebesgeschichte keine gute Story ist. Mittlerweile finde ich Liebesgeschichten langweilig. Weil sie im Kern immer das gleiche Märchen verkaufen ohne das es dadurch an Wahrheitsgehalt gewinnt.
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Liebesgeschichten laufen immer nach dem gleichen Schema ab: Hübscher Typ trifft hübsche Frau und sie verlieben sich unsterblich. Jede Story erzählt immer vom gleichen „sexy Typen“ und natürlich ist die Frau auch total hübsch, auch wenn sie das selbst nicht so sieht. Selbst wenn die Frau nicht ganz so schön ist wie der Typ, so ist sie zumindest dünn oder im schlimmsten Fall ein wenig rundlicher. Aber nie wirklich übergewichtig und auch nie unsicher, extrem schüchtern und vor allem, absolut alleine.

Heutzutage ist Liebe Plastik – sie wird uns in immer derselben Lovestory vom hübschen Typen und dem hübschen Mädchen verkauft. Egal ob in Büchern, Filmen, Serien, Werbeplakaten oder Songs – wir hören, sehen oder lesen immer wieder das gleiche Märchen. Die gleiche Geschichte bis zum Happy End – das eine und das andere Model die am Ende als Seelenverwandte in den Sonnenuntergang entschwinden. Und diese „Liebe“ funktioniert auch nur, wenn man so ist wie die Personen in den Geschichten. Doch wer ist denn wirklich so?

Echte Liebesgeschichten sind nicht schön. Ich meine, schaut man sich mal um, so sieht man alle Arten von Pärchen – schöne, hässliche, dicke, dünne oder sogar fette. Liebe hat nichts mit Aussehen zu tun, denn darum geht es nicht. In den meisten Fällen handelt es sich bei „Liebe“ nur um den Wunsch, nicht alleine zu sein. Liebe ist Arbeit, Gewohnheit, Trost und in den wenigsten Fällen schön oder einfach. In den meisten Fällen geht es um die Angst, alleine zu bleiben. Es geht darum, jemanden um sich zu haben, mit dem man regelmäßig Sex haben kann und der einem nicht ganz so sehr auf die Nerven geht wie der Rest der Menschheit.

Ich bin zynisch, ich weiß. Und ja, ich habe vermutlich gar überhaupt keine Ahnung von Liebe. Das erzählt mir jeder, mit dem ich mich über das Thema unterhalte – liegt vielleicht auch daran, dass ich eigentlich niemand kenne, der keine Beziehung hat. Aber meine Erfahrung nach ist Liebe meistens weder besonders episch, noch hat sie etwas mit Schönheit zu tun – und in den wenigsten Fällen ist das, was wir Liebe nennen, wirklich real. Aber Liebesgeschichten erzählen auch nicht von Realität. Sie verkaufen uns ein Märchen als Realität.

Richtig gute und echte Liebesgeschichten tuen nämlich weh. Weil es nichts Furchteinflößenderes gibt, als sich tatsächlich zu verlieben. Weil man dann nämlich feststellt, dass man ab diesem Punkt keine Kontrolle mehr über dieses Gefühl hat – und vor allem, dass ein Echo davon für immer bleibt. Selbst wenn die Person zu der es gehörte, längst aus unserem Leben verschwunden ist. Ich bezweifle, dass die meisten Leute in einer Beziehung überhaupt wissen, wovon ich gerade rede.

***

A fairy tale about love

I used to think that a story without some kind of love story is not a very good one. Now I think love stories are boring. At its core every one of those stories just tries to sell you a fairy tale for reality – but that doesn’t make it any more real.

Every love story follows the same narrative: Gorgeous guy meets gorgeous woman and after a few bumps on the way, they fall irrevocably in love. Every story features the same but different “sexy guy” and of course the woman is just equally pretty even if she doesn’t know it yet. And even if the woman is not as pretty as the guy she at least is always thin – or “has curves in all the right places”. But she is never really chubby or really insecure, never extremely shy and most of all: She never stays alone for longer than a few pages.

Nowadays love is plastic – sold in variations of the same pretty guy that falls for the pretty girl. It doesn’t matter if you read a book, watch a movie or series, see it in advertisements or hear it in songs – it’s always the same fairy tale. The same but different story until the inevitable Happy End, in which both models ride off into sunset with their soulmates. This kind of “love” only works in stories, because which real person is like that?

True love stories are not pretty. For starters, if you take a look around you will see all kinds of couples – beautiful ones, ugly ones, fat ones, thin ones, even obese ones. Love has nothing to do with looks because looks don’t really matter. Love is work, it’s habit, it’s comfort and in very few cases it is pretty or easy. Most love stories are about the fear of being alone. About having someone around you that is willing to have sex with you regularly and doesn’t get on your nerves as much as the rest of the world.

I’m cynical, I know. And yes, you probably think that I have no clue about love. That’s actually what everybody tells me when I talk to them about love – it might have something to do with the fact that I do not know anyone who isn’t in a relationship though. In my experience most of the time love is neither epic nor related to beauty – and in very few cases what we call love is actually real. But reality doesn’t matter to love stories. They sell us a fairy tale as reality.

The truth is, really good and really real love stories hurt. There is nothing scarier than to actually fall in love. Because that’s when you realise that from now on forward you have no control over that feeling anymore – and later you’ll see that an echo of that feeling stays with you forever. Even if the person it belonged to departed from your life years ago. And I doubt that many people will even get what I am talking about right now.

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