Was, wenn ich fliege?

watch me, courage, just do it, Mut scheint etwas Einschüchterndes zu sein. Jedes Mal wenn ich mutig sein möchte, erzählt mir jemand, warum ich gerade jetzt lieber nicht mutig sein sollte. Was alles schiefgehen könnte, wenn ich gerade jetzt mutig wäre – und irgendwann habe ich offenbar angefangen zuzuhören.
>>>ENGLISH VERSION BELOW14

Als ich 11 Jahre alt war, wollte ich unbedingt aufs Gymnasium – leider fand ich aber die Schule meistens so langweilig, dass ich mich nie zum Lernen aufraffen konnte. Das Resultat: Um aufs Gymnasium zu gehen, hätte ich eine Aufnahmeprüfung machen müssen. Mein Lehrer sagte dann zu meiner Mutter, dass das keinen Sinn hätte – dass ich nur enttäuscht wäre, wenn ich es nicht schaffe. Also dürfte ich die Aufnahmeprüfung nicht machen.

Ein Jahr später war ich in genau derselben Situation, nur wollte ich dieses Mal auf die Realschule. Wieder sagte mein Lehrer, das würde ich nicht schaffen, wieder glaubte ihm meine Mutter – nur ich ignorierte dieses Mal beide. Das Resultat: Ich bestand die Prüfung und ging danach auf die Realschule, aber ich frage mich bis heute, ob ich es nicht vielleicht doch aufs Gymnasium geschafft hätte. Wenn ich mutig hätte sein dürfen.

Heute bin ich – ein klein wenig – älter als 11 Jahre und es scheint, als hätte sich die Anzahl der Menschen die mir sagen, dass ich etwas lieber lassen sollte verhundertfacht. Hauptsächlich, weil ich sie alle in meinem Kopf höre – die mahnenden, besorgten und spöttischen Stimmen all jener, die mir irgendwann einmal gesagt haben, dass ich etwas nicht kann. Oder nicht tun sollte. Oder besser noch einmal darüber nachdächte. Denn man weiß ja nie, was alles schiefgehen könnte – und wie Murphy einst so schön sagte: Was immer schiefgehen kann, wird auch schiefgehen. Also lieber am besten gar nichts mehr machen.

Mut bedeutet nicht, dass man keine Angst hat – es bedeutet, dass man etwas tut OBWOHL es einem Angst einjagt. Wie eine Abschlussprüfung gegen den Willen von Lehrer und Mutter zu absolvieren. Wie die Schule zu wechseln, obwohl einem jeder davon abrät. Wie sich in ein Flugzeug nach Irland zu setzen ohne zu wissen, was man nach den 2 Wochen, für die man das Hostel gebucht hat, eigentlich dort machen will. Wie etwas zu studieren, von dem die Eltern denken, es hätte wenig Zukunft. Wie zu leben, ohne sich darum zu kümmern, was Andere davon halten. Letzteres muss ich vermutlich noch lernen.

Tatsächlich ist es doch so, dass die meisten Leute Mut zwar bewundern, aber auch einschüchternd finden. Weil da jemand etwas tut, dass sie sich NIE vorstellen könnten. Das fängt beim alleine ins Kino gehen an und hört eigentlich niemals auf. Es wird immer jemand geben der sich das, was du vorhast NIE trauen würde und dir deshalb erzählt, du solltest es besser lassen. Solange, bis du anfängst zu glauben, dass du dich das eigentlich auch nie trauen wirst. Solange, bis du auf lauter verpasste Chancen zurückblickst und dich fragst: Was wäre wohl gewesen wenn…

Deshalb: Sei schlauer als ich und fang an das zu tun, von dem dir jeder erzählt du kannst oder solltest es nicht tun. Denn eines kann ich dir versprechen: Etwas gar nicht erst zu versuchen, wirst du so viel mehr bereuen als zu scheitern.

***

What if I fly?

Courage seems to be intimidating. Every time I want to be brave, someone comes along and tells me exactly why I should not be courageous right now. Reminds me of everything that could go wrong if I’d start being bold right now, and somewhere along the road I apparently started to listen.

When I was 11 years old I really wanted to go to secondary school – unfortunately for me I was rather bored at school and not very good at learning by heart or doing homework properly so my grades were not very good. As a result, I would’ve had to do an admission exam to make up for my bad grades and while I totally up for trying, my teacher had a different view. He told my mum that he didn’t really see me passing that test and failing would just needlessly devastate me. So my mum talked me out of it.

One year later I was in pretty much the same situation – I wanted to go to a different secondary school (we have three different types of schools you can attend in Germany, unfortunately the translation for both “Gymnasium” (the one I wanted attend to first) and “Realschule” is secondary school) and my grades once again weren’t good. And again my teacher advised my mum against letting me do the admission test and again my mum tried to talk me out of it. This time however I ignored them both and did the admission test anyway – and I passed and went to that school. To this day I keep asking myself if maybe I would have made it to the first school as well. If I had been allowed to be brave.

Today I am – a little – older than 11 years and it seems like the number of people who tell me I should rather not do something has quadrupled. Mostly because in my head I keep hearing the admonitory, concerned or mocking voices of everyone who ever told me that I can’t – or shouldn’t – do something at some point in my life – or that I at least should think about it again. Because of all the things that could go wrong, and to not forget Murphy’s law: Whatever can go wrong will go wrong. So it might be best to not do anything at all.

Courage doesn’t mean that you are not afraid – it means doing something DESPITE being terrified of it. Like doing an admission test against the will of both your teacher and your parents. Like changing schools despite everyone advising you against it. Like getting a plane to Ireland without having any plan as of what to do there beyond having booked a hostel for 2 weeks. Like settling for a field of study that both your parents think doesn’t really have good prospects. Like living your life your way without caring what everyone else thinks about it. The latter I still have to learn, badly.

The truth is, while most people admire courage it intimidates them greatly. Because there is someone who is doing something they could NEVER imagine doing. That starts with going to watch a movie on your own and never really stops at anything. There is always going to be someone who would NEVER do something that might be completely normal to you and therefor will tell you that you should better not do it. Until you yourself start to believe that you won’t ever be brave enough to it. Until you look back on so many missed opportunities and start asking yourself: What if…

So be smarter than I was and start doing exactly what everyone tells you that you can’t or shouldn’t do. Because trust me – you will regret not doing a hell of a lot more than failing.

 

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