Das große Unbekannte / The great unknown

embrace the unknown, Esmeralda SantiagoKatharinas Tag könnte besser sein. Auf dem Weg zur Arbeit hat erst ihr Fahrrad einen Platten, weswegen sie nicht nur zu spät kam, sondern auch voll in eine Regenwolke marschierte, die sich kurz vor ihrem Ziel über sie ergoss. Dann ging die Kaffeemaschine kaputt bevor sie sich eine Tasse holen konnte und zu allem Überfluss hat ihr Chef richtig schlechte Laune, was er nun mit übermäßiger Kritik an ihren Layout-Entwürfen auslässt.
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Auch nach der Arbeit wird es nicht besser, denn wie sich herausstellt muss Katharina nicht nur den Schlauch des kaputten Reifens austauschen, sondern gleich das komplette Rad, da es in einer wundervollen Acht rollt. Endlich Zuhause macht dann auch noch ihr Zeh schmerzhafte Bekanntschaft mit dem Stuhlbein und vor lauter Ärger über diesen misslungenen Tag kann sie die halbe Nacht nicht schlafen.

Das Leben ist manchmal so ungerecht und schmerzhaft wie an diesem Tag und alles scheint so zufällig zu passieren. Doch tut es das wirklich? Das Resultat von Katharinas verhunztem Tag – den Tag an dem es das gesamte Universum auf sie abgesehen zu haben schien: Sie sitzt zu Hause und denkt über ihr komplettes Leben nach. Über all das was schief läuft, was ihr ihr keinen Spaß macht, all das, was ihr weh tut. Und je länger sie nachdenkt, desto mehr scheint ihr alles in ihrem Leben eher lauwarm und viel zu sehr gewollt. Wichtiger: Nichts davon macht sie glücklich. Was also, wenn es kein Zufall ist, dass ständig etwas schiefgeht – gerade in einer Situation in der es wenig Platz zu geben scheint, um glücklich zu sein?

Das Problem, wenn man jemanden nachhängt der einen nicht wirklich will, ist das loslassen. Das Problem, mit einem Job bei dem man zwar Geld verdient, aber der einen nicht wirklich glücklich macht, liegt darin, ein Risiko einzugehen. Das Problem mit einem Leben, welches man nicht leben will, ist der Mut zur Veränderung. Und das Problem mit der Veränderung besteht darin, den Anfang zu finden. Wo beginnt loslassen, wo fängt Glück an? Und wo – die Frage die Katharina jede Nach wachhält – wo fange ich an, wenn ich tatsächlich so gut wie alles verändern will?

Diese Fragen stellt Katharina sich nicht zum ersten Mal. Tatsächlich kann sie sich nicht (mehr) an einen Zeitraum erinnern, an dem diese Fragen nicht in ihrem Kopf herumkreisten. Nur jede dieser Fragen erfordert am Ende den Mut, das Alte hinter sich zu lassen. Loszulassen. Ins Unbekannte aufzubrechen – und genau das macht ihr Angst. Soviel Angst, dass sie sich lieber an das Unglücklich-sein klammert. Immerhin kennt sie dieses Gefühl und wer weiß, welche Schrecken woanders warten.

Am nächsten Morgen schleppt sich Katharina erneut durch den Trott des Alltags – heute zumindest nicht ganz so furchtbar wie gestern. Doch die Fragen bleiben, sie nagen an ihr, sie rauben ihr den Schlaf – doch wo anfangen? Wohin gehen? Was tun? Und so redet sie sich ein, dass alles gut ist, wie es ist. Das alles irgendwann auf magische Weise besser wird. Und manchmal meint sie fast, sie könnte es sich glauben. Fast.

Catherines’ day could be better. On her way to work, her bicycle has a flat tire, which does not only make her late but also results in a raincloud pouring down right on top of her shortly before she can reach her destination. Next thing is the coffee machine breaking down before she gets a chance to fill her cup and if that wasn’t enough, her boss is in a sour mood which he ends up taking out on her layout-drafts from yesterday.

Even after work ends things are not improving: As it turns out, Catherine has to change the entire bicycle tyre due to a bend wheel. When she finally arrives at home her toe makes a painful acquaintance with the chair leg and all the frustration over this miserable day keeps her up all night.

Life can be so unfair and painful sometimes and on this day everything seems to be so random. But is it really? As a result of this awful day – the day the universe seemed to have it in for her – Catherine cannot help but think of it as a painful reminder of everything wrong in her life. She keeps thinking of all the things that continue to go wrong, everything that’s not even remotely fun and everything that keeps hurting her. And the longer she keeps thinking the more it feels like her whole life is lukewarm at best and everything seems so forced. Most important: None of it makes her happy. So what if it’s not a coincidence that bad things keep happening in a situation where not much is happy to begin with?

The problem with pining after someone who doesn’t really want you back is to let go. The problem with a job that gets you money but doesn’t really make you happy is taking a risk. The problem with a life you do not want to life is having the courage to change something. And the problem with change is finding a place to start. Where do you start letting go and being happy? And where – the most important question, the one that keeps Catherine up every night – where do I start if actually want to change almost everything?

It’s not the first time Catherine is asking herself those questions. She actually has more trouble remembering a time when she did not ask herself those questions. But every single one of those questions requires courage – the courage to leave the old stuff behind. To let go. To start off into the unknown. And it’s the unknown she is afraid of. Afraid enough to rather cling to unhappiness. At least that’s a feeling she recognizes. Who knows what horrors may lie ahead.

On the next morning Catherine drags herself through the rut of her daily routine – at least it’s not as awful as it was yesterday. But the questions remain, keep gnawing at her, keep her up at night. But where to begin? Where to go to? What to do? And so she keeps telling herself that everything is fine the way it is. That one day it will all magically become better. And sometimes she almost thinks she could believe herself. Almost.

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