Schön wäre, wenn man doch nur schön wäre…

Irgendwo, im glitzernden Glaskasten eines Großkonzerns, sitzt ein stinkreicher CEO mittleren Alters – vermutlich mit Bierbauch und Halbglatze – und verdient Millionen mit deinem Gesicht. Deinem Körper. Deinen Selbstzweifeln. Denn dieser CEO beschäftigt ein ganzes Bataillon Marketing-Aasfresser damit, dass du dich schlecht fühlst.

Jeden Tag erzählt uns irgendeine Werbeanzeige, was wir brauchen, um endlich glücklich zu sein. Ein neues sexy Outfit, neue Schminke, neue Cremes, neues Parfum, neue Dessous, eine neue Diät – alles, damit wir endlich auch so aussehen, wie die superschönen, superdünnen Model auf dem Bild oder Video vor uns. Jeden Tag redet man uns ein, wir wären „noch“ nicht schön genug, nicht cool genug…einfach noch nicht genug. Außer wir kaufen das neueste Produkt von Konzern XY, um den CEO dort noch reicher zu machen.

Alles, was wir nicht brauchen

Es gibt auf dieser Welt viele schöne Menschen – sogar ein paar überirdisch schöne Menschen. Genauso, wie es viele hässliche und sogar richtig hässliche Menschen gibt. Die große Masse allerdings, ist der Durchschnitt. Der Durchschnitt, der ein paar Kilos zu viel auf den Rippen hat, „ganz nett“ aussieht und sich selbst nicht unbedingt mag. Zufriedenheit lässt sich allerdings nicht kaufen. Nicht mit teuren Gesichtscremes, nicht mit Bauchweg-Slips und Tonnen von Make-up.

Bitte nicht falsch verstehen – mir geht es nicht darum, etwas zu verteufeln. Wer sich gerne schminkt, bitte. Wer 20 verschiedene Paar Schuhe im Schrank stehen hat – nur zu. Es geht mir darum, wie man uns ständig suggeriert, es wäre etwas mit uns nicht in Ordnung. Wie man uns ständig nur auf unseren Körper reduziert. Schöne Menschen haben es leichter heißt es. Schöne Menschen sind erfolgreicher. Das stimmt – ebenso wie charismatische Menschen und Charisma hat nichts mit Aussehen zu tun. Aber von Charisma hören wir nichts, nur von der Schönheit.

Alles, was wir gerne wären

Ich habe sehr lange sehr viel Zeit darauf verschwendet, meinen Körper zu hassen. Meinen Bauch, der niemals so flach sein wird wie der eines Unterwäschemodels. Meine Haare, die immer schnittlauchgerade und fein nach unten klatschen, im klassischen „getaufte Maus“-Look, wenn ich nicht drei Tonnen Schaumfestiger reinhaue – und selbst das hält meist nur ein paar Stunden. Mein Gesicht, an dem immer irgendwas nicht passt. Meine Größe…kurz jedes noch so kleine Detail, dass man hassen kann. Denn egal was ich mir gekauft habe, welche Diät ich probiert habe oder welche Klamotten ich trage – am Ende sehe ich doch nie so aus, wie das Model auf der Anzeige vor mir.

Alles, für den Profit

Das Schlimme ist: Ich weiß, dass nicht mal das Model auf der Anzeige in echt so aussieht wie auf diesem Bild / Video. Ein ganzes Heer an Stylisten, Tonnen an Schminke und nicht zuletzt Photoshop sind dafür verantwortlich, dass das Model so perfekt aussieht. Und dennoch nicht wahr? Dennoch fühlt man sich unzulänglich und schlecht, wenn man das sieht. Und kauft die nächste überteuerte Creme, lädt die nächste Fitness-App runter und sitzt dann am Ende mit einem Topf Schokoladenpudding auf der Couch und fühlt sich noch schlechter als vorher. Und der alte CEO mit seinem Bierbauch und seiner Halbglatze verdient die nächste Million an unserem Gesicht…

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