TV-Tipp: Sense8 und die Frage, ob wir jemals wirklich alleine sind

Wer bin ich – und wenn ja  wie viele? Das ist eigentlich ein Buch des Philosophen David Richard Precht und handelt von den großen Fragen des Lebens. Aber diese Frage passt einfach wahnsinnig gut zu Sense8 – sie bildet sogar das Kernstück einer Serie, die alles was wir über Individuen gelernt haben, komplett auf den Kopf stellt.

Die Handlung von Sense 8 klingt auf den ersten Blick ziemlich abgedreht: Acht Menschen, die sich überall auf der Welt verteilt befinden, entwickeln auf einmal eine telepathische Verbindung. Mehr noch – sie können sogar für einen kurzen Zeitraum quasi zu der anderen Person „werden“ – also ihre Fähigkeiten borgen. Doch das macht nur einen Teil des Geschehens aus, denn im Grunde ist die Verbindung nur Beiwerk zum tieferen Hintergrund.

Von den Machern von Matrix…

Sense8 stammt von den Wachowskis – den Machern hinter Matrix oder Cloud Atlas (und ja, auch Matrix 2/3 und Jupiter Ascending) – was für mich allein schon ein Grund war, das Ganze anzuschauen. Was die Wachowskis nämlich können, wirklich gut können, ist Geschichten über Menschen zu erzählen, die nicht ganz „normal“ sind.Nehmen wir Neo, den Held aus Matrix: Ein absolut isoliert lebender Computernerd. Der Großteil der Figuren in Cloud Atlas sind Außenseiter – ein schwuler Komponist im 18. Jahrhundert, eine einsame Reporterin, ein intelligenter Klon usw.

Acht Leben zusammen

Auch in Sense8 sind alle Figuren irgendwie anders: Sun, eine junge Koreanerin, betreibt seit ihrer Kindheit aktiv Kampfsport und will sich nicht dem unterwürfigen Frauenbild ihrer Gesellschaft unterwerfen. Will lebt in Chicago und ist ein ziemlich desillusionierter Polizist mit einem alkoholkranken Vater. Nomi hieß früher Michael und wohnt zusammen mit ihrer Freundin in San Francisco – sie ist außerdem eine begnadete Computerhackerin. Riley arbeitet als DJane in London und versucht hauptsächlich, ihre Vergangenheit zu vergessen. Capheus lebt in Afrika und versucht Geld für sich und seine totkranke Mutter aufzutreiben. Wolfgang ist ein Kleinkrimineller aus Deutschland, Kala eine junge Inderin, die kurz vor einer Hochzeit steht, die sie eigentlich nicht will. Und schließlich Lito, ein mexikanischer Schauspieler, der seine Homosexualität versteckt.

Acht Schicksale in Einem

Von einem Tag auf den anderen haben diese Acht, auf den ersten Blick völlig unterschiedlichen Personen, plötzlich etwas gemeinsam: Einander. Eine telepathische Verbindung, die langsam immer stärker wird und als Folge daraus beginnen auch die Leben der Acht sich immer mehr zu verbinden – einige mehr als andere. Es herrscht zwar von Anfang an ein gefährlicher Unterton – der sich verstärkt, als Nomi nach einem Unfall im Krankenhaus landet und nach einem CT mehr oder minder zwangsoperiert werden soll. Dennoch geht es anfangs vorwiegend um sich verstärkende emotionale Bande.

Acht Mal mehr fühlen

Riley und Will, die von Anfang an voneinander fasziniert sind. Wolfgang und Kala, die fast so sehr unterscheiden, wie sie sich ähneln. Sun, die erst Capheus vor einer Bande rettet und später auch Nomi mit ihren Kampffähigkeiten zur Flucht verhilft. Lido und Wolfgang, die einander aus der Patsche helfen. Die eigentliche Bedrohung wird zwar von Anfang an angedeutet – eine Organisation, die verhindern will, dass Menschen „Cluster“ mit einer derartigen Verbindung existieren. Aber sie wächst sich erst sehr langsam zur wirklichen Bedrohung aus.

Eine Geschichte in Raten

In einem Film ließe sich Sense8 sicher nur sehr schwer und ungenügend umsetzen – wahrscheinlich würde es als ein weiteres Jupiter Ascending (ja, ich kann einfach nicht aufhören darauf rumzureiten, wie scheiße der Film ist – vor allem weil ich das Grundkonzept großartig finde) enden: Zu viel Inhalte, die sich nur in extrem verkürzter Version erzählen ließen. Aber als Serie ist es perfekt.

Hinter all der schönen Verpackung von Sense8 steht nämlich die eine essentielle Frage: Was, wenn wir gar nicht so alleine sind mit unseren Gedanken und Gefühlen, wie wir immer glauben? Oder konkreter: Was, wenn wir tatsächlich alle verbunden sind? Klingt sehr esoterisch, ich weiß. Aber irgendwie ist es auch tröstlich.

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