Vielleicht Liebe – oder vielleicht aber lieber doch nicht

Picture by fractured-fairytales / Flickr

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„Es ist mir egal! Egal hörst du! Total egal!“ Meine Freundin Laura blickt mich mit einer Mischung aus Wut, Verzweiflung und einer gehörigen Spur Eigenhass an. Denn natürlich ist es ihr alles andere egal, dass ihr Exfreund Frederik sich seit kurzem wieder mit jemandem trifft – und es spielt dabei auch keine Rolle, dass das mit ihr und Frederik nun schon fast ein halbes Leben zurückliegt.

Laura und Frederik lernten sich vor zwölf Jahren bei der Geburtstagsparty eines Kommilitonen kennen. Die Art von Party, zu der die halbe Uni erschien und bei der man die meisten Leute eigentlich nur – wenn überhaupt – vom Sehen kannte. Laura und Frederik trafen sich in der Küche, in der Laura gerade stark angeheitert versuchte, eine Tiefkühlpizza in den Ofen zu schieben. Beide wussten von der ersten Sekunde an, dass da mehr war zwischen ihnen und Laura tat etwas, dass sie sonst nie machte: Sie gab Frederik ihre Nummer.

Liebe auf den ersten Schwipps

Knapp zwei Monate nach der Party kamen die beiden dann zusammen. Für Laura war Frederik die große Liebe und zunächst sah auch alles gut aus. Doch dann begannen die Streitereien – Laura fühlte sich von Frederik bevormundet, er dagegen von ihr ständig missverstanden. Er warf ihr Gefühlskälte vor und sie ihm im Gegenzug Respektlosigkeit. Die Streitereien nahmen immer zu, bis Frederik eine Tages seine Sachen packte und ging. Nach vier Jahren Beziehung.

Zerbrochene Liebe auf verbrannter Erde

Er besiegelte das Ende mit den Worten: „Ich kann dich nicht lieben.“ Laura war am Boden zerstört. Doch irgendwie schafften die beiden es nach einer Pause, sich wieder anzunähern. Sie fand einen neuen Freund. Er eine neue Freundin. Sechs Jahre vergingen. Heute sind Laura und Frederik „fast so etwas wie Freunde“, sagt Laura. Keine Ahnung wie Frederik die Situation sieht.

Was liebe Liebe, was wäre wenn

Warum steht Laura dann aber nun heulend in ihrem Wohnzimmer, in einer Hand eine halbleere Bierflasche (die Vierte, wie ich erfahre) und schreit herum? „Weil es mir bei Frederik eben nie egal sein wird“, seufzt sie und leert die Flasche in einem Zug. „Weil ich – obwohl ich natürlich weiß wie dumm das ist – für ihn immer ein bisschen mehr als Freundschaft empfinde.“ Ob sie ihm das sagen will, frage ich sie. Ein Schnauben. „Nein, sicher nicht.“

Vielleicht lieber nicht?

Denn Laura hat nicht vergessen, wie schlecht sie und Frederik eigentlich zusammenpassten. Genauso wenig wie sie sein „Ich liebe dich nicht“ vergessen hat. „Aber weißt du, ein Teil von mir denkt immer: Vielleicht waren wir damals auch einfach nicht so weit. Vielleicht…wenn wir es heute nochmal probieren würden…vielleicht…“ Sie bricht ab. Schnieft. „Ich bin betrunken. Ich rede Blödsinn. Hör einfach weg.“

Liebe. Dumm, idotisch und trotzdem…Liebe

Ich glaube nicht, dass da nur der Alkohol aus ihr spricht, schweige aber. Der rationale, vernünftige Teil von Laura weiß natürlich, dass Frederik und sie in der Realität nicht zusammenpassen. Dass ihre Freundschaft viel stärker und besser ist (und das ist sie), als es ihre Beziehung jemals war. Und doch… Es gibt manchmal Menschen, bei denen das Herz trotz aller Sinnlosigkeit und Idiotie eben doch jedes Mal ein klein wenig schneller klopft. Bei denen es dann eben auch jedes Mal ein klein wenig weh tut.

Manchmal bedeutet Liebe eben auch, mit diesem unkontrollierbaren, sinnbefreiten Herzgeklopfe und dem idiotischen Herzschmerz zu leben und trotzdem zu schweigen. Eben weil es Liebe ist.

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