Retro Games – die Sehnsucht nach dem Staunen

Retro Games, ice cube, space invader, Flickr

(c) Flickr / Blake Patterson

Früher war alles besser. Nein, nicht wirklich – aber mit jedem Jahr das vergeht, glauben wir das ein bisschen mehr. Wir sehnen uns nach den staunenden Kinderaugen zurück durch die wir einst die Welt betrachteten. Leider tragen wir nun die gelangweilte Zynismus-Brille der Erwachsenen durch die irgendwie nichts mehr wirklich neu oder überraschend wirkt und die wir auch einfach nicht mehr ab bekommen.

Die Wahrheit ist nämlich so einfach wie brutal: Früher war nicht etwa alles besser – wir hatten nur viel weniger Vergleichsmöglichkeiten. Früher benutzte ich einen PC der größentechnisch gut in den Ford Escort meiner Mutter passte und wollte ich mal für 30 Minuten ins Internet, dann hatte der Rest der Familie Telefon-Verbot.

Zelda, Mario und die GameBoy-Frustration

Das erste Game nach dem ich quasi süchtig war hieß Captain Comic – mein Stiefvater hatte es auf meinen PC geschmuggelt, einen GameBoy bekam ich nämlich nicht. O-Ton meiner Mutter: „Für so einen Schmarrn geben wir kein Geld aus!“ Also blieben mir nur die GameBoys meiner Freunde – leider dürfte ich immer dann, wenn ich deren HighScore knackte, nicht mehr weiterspielen.

Das führte unterem dazu, dass ich weder bei Zelda, noch Super Mario oder Donkey Kong das Ende sah und schließlich beschloss: „Ihr könnt mich alle mal! Dann spiel ich halt PC.“ Gesagt getan. Also floh ich in Digger vor den miesen Gespenstern und verbrachte mal eine halbe Nacht damit, mich bis zu Level 8 durchzukämpfen (das Spiel hatte nur insgesamt 9), indem ich mich unbemerkt aus dem Bett vor den PC schlich.

Captain Comic und die Killerbienen

Dann kam besagter Captain Comic – ein ganz wundervolles Jump’n’Run, mit gut zwei bis fünf Minuten Ladebildschirm beim Level Up und einen Helden der ein bisschen aussah wie ein hüpfender Pilz. Ich und besagter Pilz verbrachten fast ein Jahr miteinander – flohen vor Killerbienen, sammelten Schlüssel und wichen blauen und roten Mördervögeln aus. Heutzutage liest sich das fast schon ein bisschen wie das Spiel-Pendant zu einem gewissen Beatles-Song in dem Lucy sich im Himmel mit Diamanten vergnügt.

Inhalte, Pixel und Warten

Damals gab noch niemand was auf Grafik oder Video-Sequenzen, da ging es nur darum mit dem hüpfenden Pilz einen Weg durch die immer kniffeligeren Level zu finden, ohne das einem rote Flummi-Aliens oder besagte Bienen / Vögel den Gar aus machten. Um Optik ging es hier nicht sondern um Spielspaß. Das war noch die Zeit, in der Games mit Inhalten punkten – ohne graphische Spielereien oder dutzende Interaktions-Möglichkeiten. Das – ja das – war die gute alte Zeit. In der man keine Vergleichsmöglichkeiten hatte und auch zweiminütige Ladebildschirme zwischen den Leveln gut fand.

Willkommen in Azeroth

Später – sehr viel später – kam dann mit World of Warcraft ein Spiel dessen komplettes Konzept schon darauf abzielte, dass die Leute vorm PC kleben blieben. Hat bei mir einige Jahre super funktioniert und ich hatte in der Zeit eigentlich nur ein Hobby: WoW. Auch wenn ich das damals natürlich nie zugegeben hätte.

Über Spielsucht mag man nun diskutieren – fest steht aber, dass Blizzard mit diesem MMO gelang, das bisher keiner seiner Nachfolger (oder auch die Vorgänger) bisher nachmachen konnte: Ein Spiel kreieren das trotz Comic-Optik und relativ simplem Gameplay immer noch mehrere Millionen Menschen täglich vor die Kiste holt – und das nach fast zehn Jahren.

Oder doch PlayStation?

Aber genau das was den Zauber von WoW ausmachte, ist jetzt genau das, was mir bei anderen MMOs fehlt. Der Spaß. Das Entdecken einer neuen Welt. Das Zusammenspielen mit lauter Fremder die einem irgendwann mehr ans Herz wachsen als mancher „Reallife“-Freund. WoW dürfte ich durch die staunenden Kinderaugen kennenlernen – alle anderen Games des Genres sehe ich durch die Erwachsenbrille: Kenn ich alles schon, könnt ihr nicht mal was GANZ Neues erfinden?

Vor ein paar Monaten habe ich mir wieder mal Lemmings heruntergeladen und festgestellt: Sieht immer noch zum Schreien aus, wirklich fesseln tut es mich aber nicht. Kenn ich ja schon alles. Ich glaube ich hole mir jetzt dann doch mal eine PlayStation – vielleicht ist an dem ganzen Konsolen-Zirkus ja doch was dran…

2 Gedanken zu “Retro Games – die Sehnsucht nach dem Staunen

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