Single Tagebuch: Von rosa Einhörnern und Konfetti-Liebe

Herzen, Konfetti, rot, Kitsch, Romantik

Picture by Daniele Civello via Flickr.com

Es gibt keine Singles mehr. Nur noch semi-glückliche Pärchen und arme Schweine. Die armen Schweine sind die, die keinen Partner für gegenseitige „Ich lieb dich so“-Social-Media-Posts und ausdauernde Streit- oder Ignorier-Phasen im echten Leben haben. Ich persönlich mag die Bezeichnung „rosa Einhorn“ ja irgendwie lieber als arme Sau – aber das interessiert irgendwie keinen. Wie so vieles.

Bei Singles, handelt es sich – glaubt man der Masse an (allen voran Frauen- und Lifestyle-) Magazinen, Fernsehsendungen und Dating-Seiten – um unglückliche und einsame Menschen. Wenn sie ihren Status nicht schnellstens ändern, dann enden sie mal als vergammelte Leiche in ihrer Wohnung, wo man sie erst Wochen nach ihrem Tod findet. Deshalb gilt: Singles gibt es nicht mehr. Vor allem nicht wenn man die 30 überschritten hat. Am besten, man hört damit gleich Anfang 20 auf. Singles, die braucht schließlich kein Mensch!

Der Witz dabei: Ich kenne kein einziges wirklich glückliches Pärchen – zumindest nicht, wenn sie die Beziehungsdauer von zwei Jahren überschritten haben (meist schon nach dem ersten Jahr). Ab dann hören nämlich die Schwärmereien auf und der Alltag beginnt. Plötzlich geht es nur noch um Schwierigkeiten in der Kommunikation (er/sie hört nicht zu) im Alltag (er/sie macht einfach immer etwas falsch), beim Sex (einer will immer mehr als der Andere) und die generelle Panik (ich weiß nicht, ob es das wert ist).

Der Unterschied zum Single-Dasein: In einer öden / schwierigen / unbefriedigenden Beziehung festzuhängen (teilweise mit permanenten emotionalen Stress), gilt als gesellschaftlich anerkannt. Immerhin steckt man nicht alleine in der Misere fest. Niemand drangsaliert dich permanent mit „gut gemeinten“ Ratschlägen, semi-mitleidigen „Ich verstehe gar nicht warum du noch Single bist“-Kommentaren oder Verkuppelungsversuchen.

Meiner Erfahrung nach gibt es genau drei Arten von Langzeit-Pärchen (also die mit einer Beziehungsdauer von mehr als zwei Jahren): 1. Die, die hauptsächlich deshalb zusammen sind, weil sie nicht alleine sein wollen (oder können). 2. Die, die glauben es komme eh nichts Besseres mehr (oder, dass es auch VIEL schlimmer sein könnte) 3. Die, die Kinder haben (meistens in Verbindung mit Variante 1 oder 2). Ich weiß, das klingt jetzt sehr zynisch, aber ich meine es eigentlich positiv – denn es hat einen Grund, warum die Geschichte in Liebesromanen immer beim gemeinsamen Ritt in den Sonnenaufgang aufhört.

DAS wiederum steht aber halt nicht in den ganzen Ratgebern, Magazinen und Beschreibungen für Dating-Seiten. Nein, nein – bei jeder Partnerschaft muss man sofort die rosa-Romantik-Farbe rausholen, drüber gießen, mit Glitter und Konfettiherzchen verzieren und „ganz, ganz große Liebe“ draufschreiben. Ach ja und wenn’s mit dieser Beziehung nicht klappt, einfach in die nächste stürzen – neue Farbe, Glitter und Konfetti kosten ja nicht viel. Besser gemeinsam in rosa Pappmaschee ersaufen und am Konfetti ersticken, als das Leben als Single fristen. Und da wundern wir uns, warum wir alle so einsam aneinander vorbeileben.

Die Realität sieht halt eben so aus: Nach ein bis zwei Jahren, hat sich Hormonhoch meist wieder auf einem normalen Level eingependelt (deshalb trennen sich da auch so viele Paare). Tja und wenn der Sex nicht mehr alles in rosa Nebel hüllt, muss man eben erst mal schauen, ob man den Anderen eigentlich überhaupt mag. Und wenn ja, ob man ihn genug mag, um mit seinen Fehlern, seiner Faulheit und seiner Kritik zu leben. Lautet die Antwort ja, dann findet man sich bald in einer der drei Varianten – übrigens oft auch bei nein. Mit der Selbsterkenntnis haben wir Menschen es generell nicht so.

Das ist die echte „große Liebe“ – eine Mischung aus Freundschaft, gegenseitiger Anziehung und einer gehörigen Portion Faulheit. Das mag immer noch zynisch klingen, aber eigentlich finde ich das viel romantischer. Meiner Meinung nach ist kein Mensch dazu geboren, alleine zu bleiben. Nicht einmal ich. Mir geht nur diese Pärchen-Glorifizierung und im Gegenzug die Single-Verteufelung auf die Nerven.

Jeder, der die so angepriesene „große Liebe“ noch nicht gefunden hat und auch nicht aktiv danach sucht, mit dem stimmt laut unserer Gesellschaft etwas nicht. Als Dauer-Single muss man irgendeinen gigantischen Makel haben (Top-Aussage Nummer 1 an dieser Stelle: „Du bist einfach zu wählerisch“). Dabei stecken die meisten Pärchen in einer Status-Liebe fest, während langsam der rosa Lack ab bröselt – und so etwas ist mir persönlich halt einfach zu blöd.

5 Gedanken zu “Single Tagebuch: Von rosa Einhörnern und Konfetti-Liebe

  1. Lieben Gruß und „teilweise“ zustimmend den Kopf nick…
    Michaela , glücklich geschieden und auch in keiner Beziehung seit weder mit rosa Einhörnern noch sonstiges 😀

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