Alltags-Rassismus oder das Märchen von den bösen Ausländern

Fackelzug, Nacht, RebellionRassismus ist eine Gesinnung, die ich grundsätzlich nicht nachvollziehen kann. Gar nicht. Ich komme aber aus einem Land, dass „Alltags-Rassismus“ zur Königsdisziplin erhoben hat. Besonders Anfang 2014 zeigen wir das mal wieder wunderbar: Politisch und gesellschaftlich.

Letzte Woche machte auf Facebook ein kleines Video die Runde, in dem es mal wieder darum ging, Thilo Sarrazins Märchen über die „bösen, integrationsunwilligen Türken, die uns armen Deutschen nur auf der Tasche liegen“ zu untermauern. Gezeigt wurden im Video Zusammenschnitte diverser Talkshows und Scripted Reality-Formate, sowie aus dem Kontext gerissene Ausschnitte aus Stern- und Spiegel-TV – sämtliches Material von den deutschen Qualitätssendern RTL, VOX und RTL II.

Medien-Meinungsmache – passt!

Drei meiner Facebook-Freunde haben diesen Rotz geteilt und konnten meine Kritik an dieser Aktion auch gar nicht nachvollziehen. Ich musste also mal wieder beschämt feststellen, dass ich tatsächlich Leute kenne, die RTL-Formate für echtes Fernsehen halten. Vielleicht bin ich aber einfach zu kritisch – schließlich habe ich eine entsprechende Ausbildung und arbeite in der Medienwelt. Andererseits müsste man nur einmal weiter als bis zur eigenen Nasenspitze denken, um gewisse Dinge zu hinterfragen.

Achtung die Rumänen kommen, irgendwo sicher

Das Video über die „bösen Türken“ werte ich persönlich ja als Auswuchs der neuesten Ablenkungstaktik seitens der deutschen Regierung: Hier versucht man seit Ende 2013 die Bürger für die drohende Gefahr der bösen Rumänen und Bulgaren zu instrumentalisieren. Frei nach dem Motto: Gib dem Mob etwas auf das sie ihre Wut konzentrieren können, dann achten sie weniger auf die Details – wie zum Beispiel die derzeitige Energiepolitik (oder allgemein den Fail-Verein der großen Koalition).

Böse Ausländer

Wir Deutschen haben aber auch ein ganz grundsätzliches Problem mit Ausländern – also bei denen mit dem viel zitierten „Migrationshintergrund“: Wir müssen sie offiziell alle mögen, sonst kommt sofort die Nazi-Keule. Allerdings haben wir Spielraum für gepflegten Alltags-Rassismus und „Über-den-Kamm-Scheren“ denn: Es GIBT ausländische Straftäter und auch solche, die auf Kosten des deutschen Steuerzahlers leben. Wenn diese Argumente nicht reichen, dann motzen wir halt noch darüber, dass sie uns die Jobs wegschnappen. Die bösen, bösen Ausländer.

Charakter-Nazi

Versteht mich nicht falsch: Ich weiß, dass in unserer Welt vieles falsch läuft und dass das deutsche Gesetzessystem viele Lücken für Leute lässt, die diese ausnutzen. Aber ich finde, es gibt nicht Schlimmeres als alles bequem und undifferenziert in einen Topf zu schmeißen und sich auf der eigenen Engstirnigkeit auszuruhen. Dadurch passiert rein gar nichts, außer dass man sich selbst zum Deppen macht.

Wie eingangs schon gesagt: Rassismus ist eine Gesinnung, mit der ich nichts anfangen kann. Einen Menschen aufgrund seiner Herkunft oder seine Hautfarbe zu verurteilen oder schlimmer, als minderwertig zu erachten – das verstehe ich nicht. Taten abzulehnen oder Charakterzüge – ja. Und seit letzter Woche gibt es ein paar mehr Deutsche, die ich ablehne. Damit bin ich dann wohl ein Charakter-Nazi, immerhin komme ich ja aus Deutschland.

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