Der Kampf mit der Imperfektion

Wie kommt es eigentlich, dass sich die meisten Frauen im permanenten Krieg mit ihrem eigenen Körper befinden? Mal ernsthaft, so hässlich und „unliebbar“ wie wir uns selbst finden, können wir ja eigentlich gar nicht sein.

Das ist zwar jetzt nur graue Theorie, aber realistisch betrachtet: Sähe ich tatsächlich so aus wie ich mich durch die Linse meiner eigenen Selbstzweifel betrachte, dann müssten die Leute auf der Straße eigentlich schreiend Reißaus nehmen. Dass sie das nicht tun, werte ich als positives Zeichen.

Ehrlicherweise muss ich aber auch gestehen, dass ich mich nicht ernsthaft für eine Kreuzung aus dem Marshmallow-Man (Ja der aus „Ghostbusters) und Gollum (der aus „Herr der Ringe“) halte. Zumindest nicht, wenn ich den realistischen Teil meines Gehirns betätige.

Aber mal abgesehen von meinen persönlichen Komplexen – warum fühlen wir Frauen uns IMMER entweder insgesamt zu dick oder sind zumindest mit einem oder mehreren Stellen unseres Körpers nicht zufrieden? Egal ob der Hintern / die Hüften / die Beine / die Arme zu dick sind – oder angeblich kein Hintern vorhanden ist oder ob es sich um die Füße / die Nase / den Busen oder sonst was handelt. Irgendwas finden wir immer. Immer.

Eine Sache, die sicher viel damit zu tun hat: Das Bild, dass uns die Werbung vermittelt. Überall lächeln uns perfekte, absolut makellose Frauen an: Von Plakaten, aus Werbeanzeigen in Magazinen, Online-Bannern usw. oder in TV-Spots. Klar, ein rationaler Teil unseres Gehirns weiß: Die wurden alle mit Photoshop bearbeitet. Aber wir Menschen reagieren leider auf Bilder, speichern sie ab und lernen so unbewusst, unsere eigene Optik mit diesen unechten Bildern zu vergleichen.

Gegen diese unechten, auf Perfektion „gepimpten“ Bilder kommt die Realität nun mal nicht an, und die schaut nun mal so aus: KEINE Frau der Welt könnte in echt je so perfekt aussehen wie die Models in einem Werbeplakat. Oder einem Versandhauskatalog. Oder einem Produktbild auf der Verpackung. Nicht mal die Models selbst sehen in echt so aus wie auf den bearbeiteten Bildern!

Wie gesagt, der rationale Teil unseres Gehirns weiß das. Genauso wie wir ebenfalls wissen, dass die Victoria’s Secret Models auch nur deshalb so wahnsinnig toll aussehen, weil sie eine Horde Stylisten vor ihren Auftritten bearbeitet hat und sie grundsätzlich ihr Leben zwischen drei Salatblättern pro Tag, einem täglichem Workout & vermutlich der ein oder anderen Schönheits-OP und einer Nase Koks verbringen. Gute Gene? Ja sicher, aber so gute Gene hat NIEMAND.

Wenn wir ehrlich sind, dann hätten wir gar nicht den Willen für so ein Leben. Mal ehrlich, ein Leben ohne Schokolade? Ohne Nudeln? Ohne Lasagne? Ohne Pizza? Ohne Brot? Please kill me – now!

Vor allem, selbst wenn man diese Selbstkasteiung durchhalten würde – manche Dinge lassen sich auch einfach nicht ändern. Ich hätte auch bei einem Salatblatt pro Tag keinen Hintern & Schultern wie eine Kampfruderin. Selbst wenn ich mich auf Magermaße runterhungern würde, ich wäre nie zierlich, nie klein & nie eine Birne, sondern immer ein Apfel. Und ich weiß das, weil ich es bereits mal mit Runterhungern versucht habe. Auch Größe 36 macht aus mir keine Gisele Bündchen.

Aber warum ist das eigentlich so schlimm? Warum ist Unvollkommenheit so verpönt – gerade der Unterschied macht uns doch so einzigartig. Und, so sehr ich beispielsweise jede noch so kleine Imperfektion an mir hasse – bei anderen liebe ich sie. Nicht aus Schadenfreude, sondern wirklich.

Meine große Schwäche bei Männern sind z.B. Himmelfahrtsnasen. Ich habe keine Ahnung wieso, aber wenn ein Mann eine leicht spitze Nase hat, dann bin ich schon halb verliebt bevor er überhaupt den Mund aufgemacht hat. Sogar wenn er blond ist – bevor das jetzt jemand oberflächlich nennt: So gut wie jeder Mensch hat einen Typ, auf den er automatisch reagiert und meiner ist eben dunkelhaarig. Aber das nur am Rande.

Aber auch wenn ich persönlich gerade Unvollkommenheit bei anderen Menschen schätze, hindert mich das nicht daran mir zu wünschen, ich könnte ein klein weniger imperfekt sein. Ein bisschen kleiner, dünner, mit kleineren Füßen und dünneren Oberarmen – und hier geht es jetzt wirklich nur um die Optik. Damit bin ich nicht allein.

Meine – in meinen Augen absolut perfekte beste Freundin – beispielweise hat eine Sanduhr-Figur, für die ich jemand töten könnte. Und was tut sie? Über ihren angeblich ach so fetten Hintern jammern. Ich hätte gerne überhaupt einen Hintern. Eine ehemalige Arbeitskollegin mit Konfektionsgröße 34 beschwerte sich ernsthaft über ihre „entstellenden Muttermahle“ und die „krummen Beine“. Um das jetzt abzukürzen: Ich kenne tatsächlich keine Frau, die nicht über irgendwas jammert. Mich eingeschlossen.

Der rationale Teil meines Hirns weiß, dass das eigentlich alles nur Blödsinn ist. Niemand wird mich mehr oder weniger lieben, weil ich keine 90-60-90 Maße habe oder niemals zierlich und klein sein werde. Oder anders herum: Niemand liebt einen nur für das Äußere. Man sieht zwar immer zuerst die Optik, aber man verliebt sich in den Menschen. Ich weiß das und die meisten anderen Frauen wissen das sicher auch. Warum also können wir nicht auch dran glauben?

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