Der Traum von Mr. Big

So gut wie jede Frau hat einen. Den einen. Das Traumgespinst an das sie sich klammert, an das sie sich immer wieder zurück erinnert. Die Illusion die sie auf einen Sockel stellt und anseufzt, weil er es gewesen wäre…wenn, ja wenn es die Realität nicht gäbe.

Die Vergangenheit erscheint im Rückblick oft schöner: Früher was alles besser und einfacher – egal ob das den Tatsachen entspricht oder nicht. Mit verklärtem Blick zurückzublicken hilft manchmal. Vor allem dann, wenn die Gegenwart sich von ihrer gar nicht rosigen Seite präsentiert. Nach einem schlimmen Ereignis etwa, schüttelt man den Kopf über das frühere Gejammer wegen Nichtigkeiten. Nach einer Trennung blickt man zurück und erinnert sich wieder an diese eine große Liebe. Ein Seufzen in der Nacht für dass, was einfach nicht sein sollte.

Der eine.

Mr. Big, Mr. Darcy, Lancelot, Romeo…diese eine große Liebe, die wir niemals vergessen können. Was nur lief damals schief? Warum wachen wir jetzt nicht neben dieser Person auf? Die Antwort ist so einfach wie schmerzhaft: Weil es die Person von der wir träumen gar nicht gibt. Sie existiert nur in unserer Fantasie. Der wahre Mr. Big ist wie wir: Nur ein Mensch. Mit Macken, Fehlern, Launen und schlechten Angewohnheiten. Er kann unserem Traumbild niemals entsprechen. Deshalb träumen wir ja auch von ihm – brutale Wirklichkeiten gibt es in unserem Leben mehr als genug.

Doch niemand lässt sich gerne von der Realität die Träume zerstören. Macht auch nichts. Es sei denn, man will es wirklich wissen. Es sei denn, man erhält unverhofft eine zweite Chance. Aber, ganz ehrlich – auch das ist im Grunde nur eine weitere Illusion. Ein Mr. Big der in unserem Leben blieb, der tat das nicht versehentlich. Ebenso wie ein Mr. Big nicht einfach so zufällig zurückkehrt.

Wir alle haben in diesem Leben eine Lektion zu lernen – und für einige von uns trägt sie ja vielleicht den Namen unseres Mr. oder auch Miss Big. Oder eventuell wünschen wir uns manchmal auch etwas so sehr, dass wir kurzzeitig komplett den Bezug zur Realität verlieren.

Und ganz selten, da wird ein Märchen auch wahr. Jedoch meist nicht ganz genau so, wie wir es mal erträumt haben. Doch genau diese 0,000000001 Prozent Wahrscheinlichkeit treiben die Fantasie und die sentimentalen Gefühle voran. Doch was gibt es Furchterregenderes als einen Traum, der an der Schwelle zur Wirklichkeit steht – alle brutalen Realitäten inklusive?

Aber, wie sagte mir jemand erst unlängst so schön: „Manche Ausfahrten kommen nur einmal“.

Vielleicht muss dazu nur erst der fiktive Mr. Big sterben um Platz für den Realen zu machen. Den einen, der einen Teil unseres Herzens mit sich herum trägt und das vielleicht noch nicht mal weiß.

2 Gedanken zu “Der Traum von Mr. Big

  1. Ach interressant! Ihr Frauen auch! Dachte ihr währt da ein wenig vernüftiger veranlagt.
    Am besten wir verkuppeln deinen Mr. Big und meine Mrs. Wonderful und schon haben wir sie los und die Welt hat nach Romeo + Julia und Barbie + Ken endlich mal wieder ein Traumpaar das sich nichts zu sagen hat, außer schmachtende Liebesschwüre.

    • Ähm ja…naja…ein bisschen unvernünftig darf man ja wohl von Zeit zu Zeit sein.
      Die Vorstellung einer Beziehung, die nur aus schmachtenden Liebesschwüren besteht, verursacht bei mir allerdings nur akuten Brechreiz. 😉

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