Der letzte Vorhang

Manchmal muss man zwei Mal in dieselbe Grube stürzen. Nur um sicher zu gehen, dass es wirklich keinen Sinn hat. Manche Brücken reißt man nieder, bereut und baut sie mühevoll wieder auf. Nur um sie dann wieder in Brand zustecken und zuzusehen wie sie niederbrennen.

Das Herz braucht einfach in manchen Fällen einen zweiten Versuch um sicher zu sein. Vielleicht, weil es sich zu sehr wünscht die Dinge würden anders liegen. So stehe ich also wieder hier und blicke auf die Flammen. Zumindest habe ich es versucht. Was auch kommen mag, mangelndes Engagement kann ich mir nicht vorwerfen.

Manche Freunde bleiben ein ganzes Leben an deiner Seite, doch die meisten verschwinden. Einige verlassen dich nie ganz sondern schaffen nur eine gewisse Distanz, die sich aber immer mit einer Brücke überqueren lässt. Einige treten mit einem großen Knall ab und wieder andere gehen still und langsam, jeden Tag einen Schritt mehr. Bis sie irgendwann ganz einfach nicht mehr da sind.

Ich wusste immer, dass du gehst. Es gab nie einen großen Knall– nicht mal viele kleine – und es fielen auch keine bösen Worte. Ich habe einfach zugesehen wie du dich Stück für Stück ein weniger weiter entfernt hast. Nicht weil es mich nicht kümmerte, sondern weil ich dasselbe tat.

Bis es dann auf einmal diesen Moment gab in dem ich wirklich begriff, dass du von nun an weg bist. Es folgte eine Welle der Panik, danach Resignation und schließlich Akzeptanz. Was als Riss begann, hatte sich nun zu einem Graben mit solchen Ausmaßen entwickelt, dass du auch am anderen Ende der Welt hättest leben können.

Doch der Mensch lässt niemals gerne los, also gab es noch ein paar kleine halbherzige Anläufe, die aber alle im Sand verliefen. Ich gab auf. Vermisste dich und verachtete dich zugleich. Und dann der zweite Versuch, nach so langer Zeit. Nur um festzustellen, dass die Person mit der man einst alles teilte einfach nicht mehr da ist. Vor mir saß ein völlig fremder Mensch.

Manchmal muss man einfach zwei Mal in dieselbe Grube fallen um es zu begreifen. Ich habe es jetzt verstanden. Ab und an bedeutet Freundschaft eben auch, den anderen gehen zu lassen. Die Spuren im Herz bleiben und mit ihnen die Erinnerung. Das einzige Paradies, aus dem uns niemand vertreiben kann.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s