Ein Hoch der Andersartigkeit

Was ist eigentlich normal? Irgendwie kann mir niemand sagen, was es damit nun genau auf sich hat. Das Problem mit der Normalität fängt doch schon da an, dass sie jeder anders definiert.

Normal – für manche ein erstrebenswertes Ziel, für andere das sprichwörtliche rote Tuch. Interessant finde ich auch die Synonyme für das Wörtchen „normal“: Gewöhnlich, typisch und üblich. Also ich weiß ja nicht, aber ich persönlich will nicht gewöhnlich sein oder „einer Norm entsprechen“. Denn, wer legt diese Norm denn bitte fest? Die Gesellschaft, die Politik, die Religion?

Früher ging das noch anders zu. In der Antike legte der jeweilige Herrscher per Gesetz fest, was als normal galt und was nicht. Wer gegen diese Gesetze verstieß, der musste entweder eine Armee hinter sich haben, ansonsten kostete es ihn den Kopf. Im Mittelalter dominierte dann die Religion das gesellschaftliche Verständnis von „normal“. Die Zeugen Jehovas definieren das ja sogar noch heute so und reden stets vom „Treuen und verständigen Sklaven“.

Dann kam die große Revolution und irgendwie geriet danach alles durcheinander: Mal diktierte der Herrscher, mal die religiösen Führer und dann wieder die Industrie, was für den Menschen in der jeweiligen Gesellschaft als „normal“ zu gelten hatte. Teilweise auch alle gleichzeitig.

In Deutschland ist es beispielsweise völlig normal sich seines Landes zu schämen, während ein Italiener nichts über „Bella Italia“ kommen lässt. Wir dürfen nur dann stolz sein, wenn es um irgendein sportliches Großereignis geht. Immerhin. Amerikaner finden es auch total normal eine Sieben-Tage-Woche zu haben – also praktisch ständig zu arbeiten. Versuchen Sie mal, den Deutschen ihren heiligen Sonntag zu nehmen! Aber ja ich weiß, da geht es ja um kulturelle Unterschiede.

Also, was ist normal? Das man als Frau Playboy-Bunnies „total süß“ zu finden hat, mit Mitte 20 einen starken Kinderwunsch entwickelt und ständig zwischen der Suche nach einem Traumjob und dem Traummann hin und her jongliert? Als Mann soll man eine Mischung aus Orlando Bloom und Hugh Jackman sein, mit dickem Bankkonto, Herz, ein wenig Bad Boy-Charme und ja bitte auch „Den perfekten Liebhaber“ auswendig können – und ich rede hier nicht nur vom Text des Buches. Hallelujah, da muss man ja verrückt werden.

Genau da liegt doch der Hase begraben. Niemand kann wirklich „normal“ sein. Perfekt übrigens auch nicht. Wir Menschen kommen alle unvollkommen, dafür aber als echte Originale auf die Welt. Leider verbringen die meisten von uns danach ihr Leben als Kopie.

Aber mal ehrlich: Wer will schon normal sein?

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