Wir sind hier ja schließlich nicht zum Spaß…

(c) MorgueFile…nein, das sind wir offenbar wirklich nicht. An die missmutigen Gesichter jeden Tag in der U-Bahn, im Supermarkt, beim Bäcker oder in der Innenstadt hat man sich ja mittlerweile gewöhnt. Offenbar beißt ein Großteil der Bevölkerung jeden Morgen erst mal herzhaft in eine Zitrone bevor sie das Haus verlassen. Aber jetzt scheint das Zitronenbeißen auch in der Freizeit in Mode zu geraten.

 Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt.
(Joachim Ringelnatz)

Tatort: Letzter Samstag, Blomberg bei Bad Tölz
Man sollte ja annehmen, dass frische Luft, Natur und so weiter irgendwie die Stimmung heben. Stattdessen trifft man am Fuße des Berges eine Truppe Radfahrer an, die mit gequälten Gesichtern nach oben blicken. Gut, mir persönlich hat sich der Lustgewinn dabei nie erschlossen, einen Berg im letzten Gang hinauf krebsen und danach dann wieder runter zu rollen. Aber gut, manchen Leuten macht das Spaß – wenn sie auch nicht so aussehen.

Naja, Schulterzucken und weitergehen. Soll ja jeder tun und lassen was er möchte.

Als nächstes kommt ein Rentner mit verbissenem Gesicht und Nordic Walking-Stöcken. Auf die Frage ob er wisse wohin denn dieser Seitenweg da führe, reagiert er mit einem verdatterten Blinzeln und einem überraschten Umherschauen. Schließlich muss man ja auch vor lauter Sport-Wahn erst mal gucken, wo man sich hier eigentlich befindet. Dann folgt ein Stirnrunzeln und ein gebrummtes „Keine Ahnung“. Schon geht der Blick wieder starr nach vorne, die Stöcke werden gepackt und rauf auf den Berg. Wäre ja noch schöner, wenn man hier auf irgendwas Anderes als den Weg nach vorne achten sollte.

Ab diesem Zeitpunkt stellt sich bereits das erste Mal der Drang zum Dauergrinsen ein. Was bleibt einem auch anderes übrig als ein wenig boshafter Humor?

Die Krönung erfolgt dann etwa eine halbe Stunde später: Ein Mann und eine Frau, die mit ernstem Blick den Berg hinunter joggen. Mit dabei: Ein Golden Retriever an der Leine, der rechts und links zwei Taschen geschultert hat – quasi statt Lasenpony also ein Lasten-Goldie.  Als der Goldie unsere zwei Hunde erblickt, will er natürlich schnuffeln. Das machen Hunde in der Regel so, wenn sie andere Artgenossen sehen. Doch Frauchen sieht das gar nicht gerne und ruckt an der Leine: „Nein weiter, Konzentration.“

Ja, ganz richtig, das hatte ich vor lauter Bergluft und Freizeit ganz vergessen: Wir sind hier ja schließlich nicht zum Spaß!


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