Der Elefant im Wohnzimmer

(c) M. Reichert

(c) M. Reichert

Er begann als leises Flackern am Rande des Bewusstseins. Kaum merklich, aber doch da. Ein Stich, kein Kniff, ein leichtes Unwohlsein, aber nicht genug um ihm mehr Beachtung zu schenken. Doch er hörte nicht auf, gab nicht nach und langsam aber sicher wuchs er sich zu einem Waldbrand aus. Ein kleiner, flüchtiger Gedanke, der nun zu einer Idee geworden ist.

An idea is like a virus, resiliant, highly contagious and the smallest seed of an idea can grow. It can grow to define or destroy you. (Inception)

Eine Idee die sich nicht mehr verdrängen lässt. Sie brennt sich ihren Weg durch den Geist, an die Oberfläche – wie Feuer das durch trocknes Holz fegt. Egal wie sehr man sie daran hindern möchte oder sich dagegen wehrt. Und nun steht der Wald in Flammen und die Idee lässt sich nicht mehr ignorieren. Die Vernunft schreit: „Es ist Blödsinn.“ Und das Herz ruft: „Es ist Wahnsinn.“

Doch die Idee nimmt mit jedem Schrei mehr Form und Gestalt an.

Beneath this mask there is more than flesh. Beneath this mask there is an idea, Mr. Creedy, and ideas are bulletproof. (V For Vendetta)

Manche Türen schließen sich nie. Man redet sich etwas anderes ein, man glaubt es, man vergisst die Tür sogar für eine Weile – aber irgendwann läuft man doch wieder an ihr vorbei und erinnert sich. Und auch wenn manche Türen doch geschlossen bleiben sollten, manchmal kann man trotzdem nicht von ihnen lassen. Wie jede wirklich wichtige Geschichte an die Oberfläche drängt, so will auch dieses Gefühl, dieser Gedanke erneut ans Tageslicht.

Selbst wenn er mir dabei das Herz bricht.

Eine Idee kennt keine Angst und auch keinen Schmerz. Das Gespenst ist aus seinem Gefängnis entwischt – vielleicht weil der Wunsch die Tür erneut aufstieß.

Nothing in this world happens by chance. (Veronica Decides To Die – Paolo Coehlo)

Die Frage die bleibt, ist es wahr? Ein Hirngespinst, eine fixe Idee oder doch ein Fingerzeig des Schicksals? Der Elefant, er steht jetzt im Wohnzimmer des Geistes. Die Tür hängt nur noch in den Angeln und jede noch so kleine Erinnerung brennt sich weiter durch die Seele. Es ist zu spät, um jetzt noch umzukehren, war es vermutlich von Beginn an.

Das Gespenst war niemals wirklich fort, niemals weit entfernt, dass zumindest ist jetzt klar. Nur ob eine Idee ausreicht, ob eine Erinnerung genügt und ob das Herz wirklich den Mut hat, den Schritt zu wagen, dass bleibt abzuwarten. Gebranntes Kind scheut das Feuer.

Doch wenn der Traum erst mal erwacht und die Idee den Geist verbrennt, welche andere Wahl haben wir da, als uns der Realität zu stellen? Könnte ich es mir je verzeihen, wenn ich es dieses Mal nicht wenigstens versuche?

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