gamescom 2011: Peinliche und diskriminierende Beiträge von RTL und co.

Sie können und konnten es mal wieder einfach nicht lassen. Letzte Woche fand in Köln die größte europäische Spielmesse gamescom statt. Eine Steilvorlage für unsere deutschen Privat-Sender, um mal wieder Klischees zu reiten, bis sie brechen.

Was weiß man denn so alles über Gamer? Das sind doch diese dicken, ungepflegten Jungs mit ganz viel Bart und schwarzen T-Shirts oder Kostümen. Also die, die in der realen Welt gar nicht klar kommen und ihr Leben vorm PC mit Gewaltspielen verbringen. Na? Haben Sie auch gerade gedacht – ja, stimmt schon. Dann darf ich Ihnen gratulieren: Die Gehirnwäsche der Medien hat bei Ihnen bestens funktioniert. Denn sowohl der Kölner Trash-Sender RTL, als auch das Münchner Dependant Pro7 haben sich in ihren Beiträgen zur gamescom mal wieder selbst übertroffen.

Während man bei Pro7 für „Taff“ ein Penthouse-Model über die Messe flanieren lässt und dabei möglichst viele Klischees bedient (am auffälligsten: Gamer können nichts mit Frauen anfangen), ist man bei RTL weniger subtil: Hier werden die Messebesucher gleich als lebensunfähige und bedauernswerte Kreaturen der Spezies Mensch dargestellt. Eigentlich nicht verwunderlich, schließlich versucht RTL dies ja auch immer wieder in den als „Doku-Soaps“ getarnten Scripted Reality-Formaten.

Vielleicht liegt die Empörung über Beiträge, wie den von RTL „Explosiv“ zur gamescom auch darin begründet, dass man sich als Gamer da erst bewusst wird, wie manipulierend unsere Medien tatsächlich arbeiten. Natürlich findet man auf der gamescom mit hoher Wahrscheinlichkeit ein oder sogar mehrere Exemplare des dicken, ungepflegten Jungen/Manns mit Schlabberjeans und strengem Körpergeruch. Ich selbst bin einem solchen Typ letztes Jahr auf besagter Messe begegnet – er teilte die Besuchermenge mit seinen Körperausdünstungen, wie Moses das Meer. Aber – man findet bei 275.000 Besuchern auch eine Menge Gegenbeispiele. Zum Beispiel gibt es da auch jede Menge Frauen – um mal beim Offensichtlichsten anzufangen.

Unsere Medien interessiert das aber nicht. Es geht auch nicht um kritische oder wenigstens echte Beiträge: Es geht um Meinungsmache. Und gerade im Bereich PC- und Videospiele wird das leider immer wieder offensichtlich. So bekleckerte sich „Akte“ mit einem Beitrag zu League of Legends nicht gerade mit Ruhm und sogar renommierte Medien wie die Süddeutsche, der Spiegel oder die Abendschau springen regelmäßigen auf den Zug des stümperhaften Journalismus auf, wenn es um das Thema Games geht. Alles ein Versehen? Wohl kaum. Es sei denn man glaubt dem Märchen der sich häufenden Zufälle.

Die bittere Frage, die sich mir immer wieder aufdrängt, wenn ich sehe wie sich unsere Medien bei solchen Themen blamieren: Kann ich überhaupt noch etwas glauben, dass sie berichten? Oder – und ich weiß das habe ich schon mehrmals gefragt – was machen die dann eigentlich bei den Themen, die wirklich wichtig sind?

Der besagte RTL-Beitrag in all seiner Glorie findet sich übrigens hier (startet ab 0:12).

2 Gedanken zu “gamescom 2011: Peinliche und diskriminierende Beiträge von RTL und co.

  1. ja ist echt scheiße von rtl mal wieder versucht gamer fertig zumachen ich mein nur es ist überhaupt nicht toll sich da hinzustellen und zu sagen gamer wären leute die sich nicht duschen und die ganze zeit schwitzen´

    EPIC FAIL

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