Von Geistern und Glauben

(c) MorgueFile

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Wer stirbt der ist erst dann wirklich tot, wenn er vergessen wird. Doch stimmt das? Was tatsächlich passiert, nachdem wir für immer die Augen geschlossen haben, bleibt ein Mysterium. Schließlich nehmen die Betroffenen ihr Geheimnis mit ins Grab..

Zumindest behaupten das Einige. Andere dagegen meinen schlicht, mit dem Tod endet alles und danach passiert nichts mehr. Wieder andere glauben, dass nach dem Tod entweder Himmel oder Hölle warten. Und dann gibt es noch solche, die an eine Reinkarnation der Seele glauben. Manche sagen aber auch, es gebe keine Seele

Die „Wahrheit“ in dieser Angelegenheit finden wir alle irgendwann heraus. Warum also jetzt schon damit auseinandersetzen? Ich persönlich sehe keinen Sinn darin, im Staub zu kriechen vor irgendwelchen von Menschen erdachten Göttern. Wenn also die evangelische/katholische Kirche, die Juden oder die Moslems Recht haben, dann lande ich wohl in der Hölle. Sollten die Hindus, Buddhisten oder diverse Naturreligionen Recht behalten, dann komme ich vielleicht als Efeu wieder. Und im Falle eines Sieges der atheistischen und/oder wissenschaftlichen Fraktion ist es mir sowieso egal, weil ich einfach aufhöre zu existieren.

Ich glaube gerade das ist die größte Angst der westlichen Welt: Das unsere Existenz, unser Leben und alles was wir aufgebaut haben, einfach aufhört und verlischt. So, als hätte es uns nie gegeben. Wir betrachten den Tod als Ende und nicht als Teil des Lebens. In asiatischen, indischen und lateinamerikanischen Kulturen feiert man den Tod, man betrauert ihn nicht. Nicht einmal der Kommunismus konnte den Chinesen diesen Glauben austreiben. Die amerikanische, arabische, europäische und jüdische Kultur dagegen betrauert den Tod.

Vielleicht, weil die Religionen in diesen Regionen die Mär vom Himmel und der Hölle verbreiten? Wobei das nicht stimmt. Die Juden glauben zwar an ein Leben nach dem Tod, aber nicht an die christlich/islamischen Vorstellungen von Himmel und Hölle. Geschichtlich gesehen ein Affront gegen die christlichen und islamischen Versionen. Obwohl es die jüdische ja zuerst gab. Aber das diese drei Religionen einander nicht besonders mögen, kann jeder selbst in einem Geschichtsbuch nachlesen. Die Frage jedoch bleibt: Was hat es mit dem Tod auf sich? Oder auch, die allseits beliebte Frage: Wer hat Recht?

Als Antwort darauf zückt jeder gläubige Christ oder Moslem das jeweilige „Buch der Wahrheit“ und zitiert daraus. Mit einem Juden habe ich mich darüber noch nie unterhalten, daher kann ich nicht sagen, was er oder sie antworten würde. Ein Hindu lächelt meist auf diese Frage und schweigt. Ein Atheist antwortet mit: „Ich verrotte“ oder ähnlich schönen Vorstellungen. Und ein Buddhist? Naja, diejenigen die ich gefragt habe, erzählten entweder etwas von Reinkarnation oder antworteten schlicht mit „ich weiß es nicht“. Ich schätze auch hier ist es eine Frage des „Glaubens“. Die meisten „nicht so tief Gläubigen“ oder schlicht Agnostiker zucken meist auch mit den Schultern und sagen: „Ich weiß es nicht“.

Genau da liegt das Problem: Wir wissen es nicht. Wir können uns an eine Vorstellung, einen Glauben, eine Vermutung oder sogar eine wissenschaftliche These klammern. Aber was bleibt, ist die Unwissenheit. Und wenn wir es dann erfahren, können wir nicht mehr davon berichten – vermuten zumindest die meisten. Andere behaupten, es gäbe Berichte von Geistern, Astralwesen und weißt der Geier was noch. Im Allgemeinen nennt man solche Menschen Esoteriker oder – weniger zurückhaltend – Verrückte, manchmal auch Guru oder Schamane. Es hängt eben immer alles vom Blickwinkel ab. Des einen Scharlatan ist des anderen Heilsbringer und umgekehrt.

Aber all diese Beschimpfungen, Diskussionen und Streitereien bringen uns am Ende nicht weiter. Denn die meisten wissen es nicht. Und viele die glauben es zu wissen, behalten es für sich. Man sagt nur die Unwissenden sprechen von Wahrheit. Ich denke, ich will es gar nicht wissen. In meiner Vorstellung sitzen alle geliebten Menschen auf einer Wolke und blicken hinab. Mag kindisch sein, aber der Verlust wird erträglicher, wenn man daran glaubt, dass ein Teil der Verstorbenen in uns weiterlebt. Und sei es nur als Erinnerung. Dafür brauche ich keine Religion und keinen Wissenschaftler. Sondern nur den Glauben an die Liebe. Vielleicht feiern andere Kulturen ja auch in Wirklichkeit das: Die Liebe, die auch der Tod nicht auslöschen kann.

Ein Gedanke zu “Von Geistern und Glauben

  1. Auch da ich diese morgendliche Abstizenz des feinen und schönen überaus Schätze, will ich mich kurz beteiligen. Ich denke, dass es wichtig ist zu unterscheiden zwischen glauben und wissen – beziehungswiese sinnvollen und nicht sinnvollen Aussagen. Für wirklich Klarheit sorgen bei mir 2 Zitate von Ludwig Wittgenstein: „Der Tod ist kein Ereignis des Lebens. Den Tod erlebt man nicht.“ und „Es gibt allerdings Unaussprechliches: Dies zeigt sich, es ist das Mystische“. Gleichzeitig lassen diese Zitate aber auch eine unbefridiegende Leere und ein Suchen im Raum.. sehr interessant finde ich auch die Bücher von Raymond James A. Moody über das Leben nach dem Tod: Sterbeforscher, der Nahtoderfahrungen aufgezeichnet hat. Im Endeffekt glaube ich, dass diese Übergang, dieser neue Zustand.. relativ unbeschreiblich ist quasi bis dahin.. alles in Allem ist das wie eine „ewig“ (gefühlte Ewigkeit,..relativ sehr endlich) ausstehende Weihnachtsüberraschung auf die man wartet und wartet und sich Gedanken machen kann, aber nie erraten was es denn sein wird.. 🙂

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