Jim Morrison und die Feigheit

(c) MorgueFile.com

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Wie soll ich jemand befreien, der nicht selbst den Mut aufzustehen und für seine persönliche Freiheit einzufordern? Dieser Satz stammt im Original von Jim Morrison. Ich habe mir mal die Freiheit genommen, dass englische Originalzitat ein wenig frei zu übersetzen. Den Kern der Aussage trifft meine Übersetzung aber denke ich schon.

Das Problem unserer Gesellschaft hat Mr. Morrison denke ich, aber relativ gut erkannt: Die Trägheit und Bequemlichkeit des Vertrauten. Wir lassen denken und handeln, im Vertrauen darauf, dass „die anderen das schon richten“. Verantwortung übernehmen wir bestenfalls in unserer Arbeit, vornehmlich dann, wenn es Positives zu verlauten gibt. Kritik und Schelte versuchen wir dagegen möglichst den ungeliebten Kollegen zuzuschieben. Niemand ist schließlich perfekt oder? Kann ja jedem Mal ein Malheur passieren.

Ich habe in einem meiner letzten Beiträge schon mal über das Problem mit der Freiheit, die wir im Grunde nicht haben geschrieben. Darüber, dass man uns die Freiheit von klein auf systematisch abtrainiert. Aber das Interessante dabei: Zwar wollen wir diese Tatsache nicht wahrhaben und lehnen sie als „nicht vertretbar“ oder „Unsinn“ ab – die Sehnsucht verlieren wir dennoch nie. Wir lesen ein Zitat von Jim Morrison (tatsächlich eine sehr traurige Figur, deren genialer Geist am Leben scheiterte) und denken uns „ja, wie Recht er hat“. Wir lassen uns gerne inspirieren, aber wir realisieren nicht, dass Mr. Morrison eigentlich von uns redet. Denn das tut er.

Der größte Feind der Freiheit ist nicht die Feigheit, nicht der Hass und auch nicht die fehlende Inspiration. Nein, es ist die Trägheit. Die Faulheit, mit der wir die Nachrichten verfolgen und denken „das betrifft mich ja zum Glück nicht“ oder auch „ach ja, so schlimm wird es schon nicht sein“. Dann lehnen wir uns zurück und freuen uns darüber, wie gut es uns doch eigentlich geht. Während die Schlinge sich ein Stückchen weiter zuzieht. Fehlt uns der Mut? Ja, denn wer sich kritisch äußert, der riskiert Spott. Fehlt uns die Motivation? Natürlich – das Motto ganzer Generationen scheint zu lauten: „Was kann ich schon tun?“.

Die Antwort: Nachdenken. Lesen. Recherchieren. Reden. Diskutieren. Aufstehen. Eine Meinung entwickeln. Auch auf die Gefahr hin, dass diese Meinung nicht mit dem medieninitiierten Grundtenor konform geht. Noch haben Sie die Freiheit, all das zu tun. Nutzen Sie sie, solange sie noch können.

How can I set free anyone who doesn’t have the guts to stand up alone and declare his own freedom? (Jim Morrison)

2 Gedanken zu “Jim Morrison und die Feigheit

  1. Vermischt du nicht ein wenig den Wunsch nach Freiheit mit Aufstand oder Widerstand? Ich bin nicht deiner Meinung, dass „eine Meinung entwickeln“ dich unbedingt freier macht. Wieso muss ich mich denn bemühen immer eine eigene Meinung zu haben. Wozu? Um Mitreden zu können? Um zu erkennen das ich verarscht werde? Und wenn ich dann eine eigene Meinung hab, was macht die dann richtiger als die eigene Meinung der anderen?
    Ignoranz kann durchaus auch ein Weg zur Freiheit sein, denn sich nicht aufzwingen lassen über was man nachdenken soll und eigene Wege gehen, zeichnet einen freien Geist doch besonders aus.
    Nun gut, offensichtlich tue ich hier gerade meine Meinung kund. Wieso mach ich das? Vielleicht weil ich ein Wichtigtuer bin … ganz bestimmt. Vielleicht um Eindruck zu schinden … mag sein. Vielleicht weil ich einfach zuviel Senf im Kopf habe … klar am liebsten süßen. Oder weil ich damit einen Zweck verfolge … das ist alles möglich. Vielleicht hab ich ja auch gar keine Meinung.
    Und ehrlich gesagt, wäre mir das oft am liebsten. Denn eines weiß ich ganz sicher, auch meine Meinung ist manipuliert.
    Um sich wirklich eine Meinung zu bilden muss man ein Leben lang nachdenken um sich sein völlig eigenes Gedankengebäude zu schaffen. Erst wenn das abgeschlossen ist, sollte man sich äußern. Kant hat es beispielsweise so gemacht. Aber was ist ihm geblieben? Sein Prinzip des kategorischer Imperativs, dass sich zwar fast beliebig anwenden lässt, aber als Leitmotiv stand es immerhin Pate für die meisten freiheitlich-demokratischen Verfassungen. Aber hat es Kants´ Leben glücklicher gemacht? Ich weiß es nicht, aber das würde mich wirklich interessieren.
    Wer ist glücklicher, der Sklave der nicht erkennt das er unfrei ist oder der Freie der sich als Sklave fühlt?

    • In deiner Antwort liegen zwei grundsätzliche Missverständnisse:
      1. Eine Meinung zu haben, bedeutet nicht automatisch auch, Recht zu haben.
      Eine Meinung hat nichts mit Wahrheit zu tun. Im Gegenteil, Meinungen werden in der Regel genutzt um eine Tatsache oder ein Thema zur Wahrheit zu machen. Aber es geht nicht darum, Recht zu haben, sondern darum selbst zu denken. Die meisten Menschen machen sich aber nicht die Mühe zu denken, sondern plappern brav nach, was ihnen die Medien vorgeben. Das ist keine Ignoranz, sondern grenzt schon fast an Dummheit.
      2. Ignoranz schließt eine Meinung nicht aus. Im Gegenteil.
      Denn du hast Recht, niemand kann mir aufzwingen worüber ich nachdenken soll und worüber nicht. Aber man kann Denkanstöße aussenden und hoffen, dass sie vielleicht doch Interesse wecken. Das vielleicht doch jemand drüber nachdenkt. Egal zu welchem Ergebnis er kommt – er wird dadurch zu einem würdigen Diskussionspartner. Jemand der auf jeden Konter mit „Naja wenn du meinst“ antwortet, ist schlimmer als jemand der dir widerspricht. Zumindest aus meiner Sicht.

      Ich habe niemals behauptet, es geht um Wahrheit oder auch nur Richtigkeit. Es geht ums denken, ums nachdenken. Der größte Feind des Tyrannen ist ein denkendes Volk. Und das ist wohl auch der Grund, warum wir systematisch dumm gehalten werden sollen.

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