Germany’s Next Topmodel: Die Mädchenfalle

(c) pedrojperez MorgueFile

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Gebildete Menschen kennen diese Sendung gar nicht, dass ist Fernsehen für die Unterschicht.“ Gemeint ist mit dieser Aussage die Sendung „Germany’s Next Topmodel“ und sie stammt nicht von mir. Wie vielleicht einige wissen, war kürzlich mal wieder das Finale von Heidis „Models“ und um ehrlich zu sein finde ich den Einleitungssatz nicht unbedingt passend, sondern traurig. Allerdings nicht zugunsten der Sendung. Doch von Anfang an.

Bei einem Schwimmbadbesuch am Wochenende stand eine Dame mit ihrer etwa 13jährigen Tochter neben mir an den Föhnen und so wurde ich Zeuge eines kleinen Streitgesprächs: Die Tochter erzählte der Mutter mit leuchtenden Augen, dass sie auch mal Model werden wollte. „Genau wie die Mädchen aus Heidis Show“, verkündete sie. Daraufhin fuhr die Mutter entsetzt herum und erging sich in einem Monolog darüber, dass es keineswegs erstrebenswert sei, sich in so einer Show zu bewerben oder darin zum Affen zu machen und endete mit dem Satz, den ich eingangs zitierte: „Gebildete Menschen kennen diese Sendung gar nicht, dass ist Fernsehen für die Unterschicht.“

Nun muss man dazu sagen, dass ich der Dame im Bezug auf „nicht erstrebenswert“ voll und ganz zustimme. Aber ihre Kernaussage kann nicht unterstützen. Nicht, weil ich die Show mag oder verteidigen will – ganz im Gegenteil. Dass Heidi Klums Mädchenparade ein falsches Bild darüber fördert, wie ein weiblicher Körper auszusehen hat, darüber wurde schon zur Genüge diskutiert. Was mich viel mehr an der ganzen Show stört, ist das Frauenbild allgemein, das Frau Klum und Anhang so gerne zelebrieren: Dumm, hübsch und schön gehorsam.

Zumindest die Redakteurin beim Spiegel, die mit der Berichterstattung zur Finalshow der Sendung betraut war, sieht das offenbar ganz genauso: Allerdings macht sie ihrer Wut über Heidis Zirkus ausgerechnet damit Luft, dass sie Lady Gaga zum Vorbild für alle Frauen erhob. Auch ein Ansatz. Aber ist dieses falsche, um nicht zu sagen mittelalterliche Frauenbild wirklich ein „Unterschichtenproblem“? Wenn ich mir jetzt die Teilnehmerinnen dieser Show ansehe, dann finden sich nicht wenige Gymnasiastinnen und Studentinnen darunter. Also Mädchen, bei denen man eine gewisse Schulbildung erwartet (um nicht zu sagen ein Umfeld, dass es besser wissen müsste).

Allgemein fangen die meisten „Supermodels“ während des Studiums oder der Schule mit dem modeln an, weil sich so nebenher gutes Geld verdienen lässt. Schaut man sich die Sendung an, dann machen die Damen zwar keinen sonderlich intelligenten Eindruck – sollen sie ja auch nicht – aber immerhin wirken sie nicht ganz so dämlich wie die Teilnehmer in Bohlens Superstar-Farce. Vielleicht auch, weil sie bisher auch noch kein Radiointerview geben mussten, in dem man sie fragte, wie schnell man in der erogenen Zone fahren darf.

Und die Zuschauer? Nun ich erinnere mich, dass einige frühere Arbeitskolleginnen die Sendung jedes Mal voller Begeisterung verfolgten. Auch alles junge Damen, die sowohl eine gute Bildung als auch ein geregeltes Einkommen hatten. Also weder „Unterschicht“ noch ungebildet. Fairerweise muss aber auch erwähnt werden: Man schaute sich GNTM nicht aus dem Wunsch heraus an „später auch einmal Model zu werden“. Es lag eher an der diebischen Freude, die „frau“ dabei verspürt, wenn sie hübschen Mädels mit Traumfiguren dabei zusehen kann, wie diese sich vor laufender Kamera jede Woche aufs Neue zum Affen machen.

Doch es gibt einen Unterschied zwischen Frauen und kleinen oder auch größeren „Mädels“, die davon träumen ein Topmodel wie etwa Gisele Bündchen zu sein. Um die Welt jetten, super aussehen und dabei jede Menge Geld scheffeln. Einen Star kennenlernen und heiraten und so weiter und so fort. Was diese ganzen Mädels dabei vergessen: Modeln ist kein Traum- sondern eher ein Knochenjob. Und das Modebusiness ist wohl das brutalste im gesamten Showgeschäft.

Warum? Im Gegensatz zu Filmstars oder Musikern muss ein Model kein Talent haben. Ein Model muss vorrangig nur Eines: Gut aussehen. Und das bei Fotoshootings oder endlosen Laufsteg-Marathons auch stundenlang. Ohne zu jammern oder sich zu beklagen. Ausstrahlung ist da wichtig. Ein wenig Persönlichkeit schadet sicher nicht, genauso wie ein wenig Intelligenz – letztere aber nur, wenn man sie gut zu verstecken weiß. Ein erfolgreiches Model sieht gut aus und kann sich zudem gut selbst vermarkten. Aber letzteres hilft nur, wenn Ersteres gegeben ist. Designer interessiert nur, wie du aussiehst – nicht die Person hinter dem laufenden Kleiderständer.

Und genau das ist der Grund, warum ich eine Show wie „Germany’s Next Topmodel“ (oder auch die US-Urversion und alle Ableger in anderen Ländern) so verachtenswert finde: Denn hier wird den Teilnehmerinnen die gesamte Show über nur eine einzige Sache beigebracht: Sieh hübsch aus und tu brav das, was man dir sagt. Bitte nicht zuviel nachdenken und auf keinen Fall den Sinn einer „Challenge“ (wie z.B. 60 Minuten in Highheels auf dem Laufband rennen) hinterfragen. Und betrachte dich um Gottes Willen stets als „Mädchen“ – nicht etwa als Frau. Frau impliziert Erwachsensein und Altwerden – wer will das denn schon?

Als Fazit bleibt zu sagen: Ich wünschte wirklich, ich könnte der Dame aus dem Schwimmbad in ihrer Aussage zustimmen. Nicht weil ich ein Snop bin oder mich für etwas Besseres halte, sondern weil die Realität viel trauriger ist. Bei den Zuschauern von GNTM handelt es sich nicht um ungebildete oder gar dumme Menschen, genauso wenig wie bei den „Mädchen“, die davon träumen, ein Topmodel zu sein. Nein, es handelt sich dabei um die gebildeten, hübschen „Mädels“. Es macht mich unendlich traurig und wütend zugleich, wenn ich darüber nachdenke, wie die Realität und die daraus resultierenden Konsequenzen wirklich aussehen.

3 Gedanken zu “Germany’s Next Topmodel: Die Mädchenfalle

  1. Ich stimme dir im großen und ganzen zu was deine Betrachtungsweise betrifft. Aber letztendlich sind diese ganzen Shows doch nur Unterhaltungssendungen die die Träume ihrer Zielgruppe bedienen. Aber so falsch finde ich die Erfahrung die diese Sendungen ihren Kandidaten beibringen gar nicht. Von tausenden Bewerbern erlangen nur wenige eine größere Bekanntheit, die große Mehrheit bekommt irgendwann die rote Karte gezeigt, mal netter, mal derber. Ich vermute das Verhältnis Bewerber zu Favoriten ist gar nicht so sehr unterschiedlich zum realen Verhältnis von Normalo zu Promi.

    Letztendlich sind das aber keine Bildungsprogramme und ich finde wir müssen uns eher darum sorgen, dass das Auffangnetz das die Gesellschaft spannt, stark genug bleibt um den wo auch immer Gescheiterten immer wieder eine Perspektive zu bieten.

    Ich finde übrigens die Mottoshows von DSDS das Beste an Musikunterhaltung was an einem Samstagabend zur Zeit in Deutschland geboten wird. Die Kandidaten und die ungemein aufwendigen und kreativen Bühnenshows versetzen mich oft in wahres Staunen. Nun ja und dieser ganze Reality Quark mit Bohlen und peinlichen Details aus dem inszenierten Privatleben gehört nun mal dazu.

    • Ich habe schon mal einen Beitrag zum Thema Castingshows geschrieben, relativ am Anfang dieses Blog. Und dort sagte ich bereits schon, was mich am meisten an diesen Shows abstößt ist das Menschenbild, dass dort vermittelt wird. Im Falle GNTM das Frauenbild. Denn genau dieses Bild findest du auch im „realen Leben“ wieder.

      Zum Thema kreative und aufwendige Bühnenshows – Photoshop 10 Minuten, damit hast du das Grundlayout. Was Zeit kostet ist dann das übertragen…gab es mal eine Sendung wo sie das gezeigt haben. Wer sich ein bisschen auskennt mit der Geschichte, der weiß, die eigentliche kreative Arbeit dahinter beträgt etwa 10 Minuten.

  2. Du hast ja recht was das Frauenbild betrifft. Die Frage ist doch aber, was ist ist die Quelle und was ist der Spiegel. Spiegel sich das Frauenbild von GNTM in der Gesellschaft oder spiegelt sich das Frauenbild der Gesellschaft in GNTM. Aber wie auch immer, es stimmt natürlich, dass die Gefahr besteht das es sich dadurch verstärkt.

    Zum Thema Bühnenshow. Mich spricht das an, es unterhält mich und deshalb mag ich es. So ist nun mal mein persönlicher Geschmack.
    (An Photoshop und allem was da drin steckt haben übrigens viele Leute, viele Jahre gearbeitet 😉

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