9 Gedanken zu “Pushed Again

  1. Beziehst du dich damit auf die Bilder des Videos oder auf den Text des Liedes?
    Im ersten Fall würde ich mich fragen, was dir dein Weltbild so düster macht, denn das Video ist doch nur ein Collage von beliebig aus dem Zusammenhang gerissenen Gewaltszenen. Durch diese Dichte wird das Bedrohungsszenario aber gewaltig überzeichnet (was ja ok ist, im Sinne von künstlerischer Freiheit). Der Text des Stücks lässt aber auch andere Interpretationen zu und zwar ganz persönliche, also im Sinn von „ich und meine Welt“. Den Text finde ich gelungen. Das Video finde ich zu banal, passt aber eigentlich wiederum ganz gut zu den Hosen, denn die revolutionären Vordenker waren sie nie.

  2. Die Hymnen meiner Jugend erweisen sich bei mir heute oft als naive Schwärmerei. Aber das will ich jetzt nicht pauschalisieren. Aber die Erinnerungen bleiben und die können leicht verführen, da muss nur irgendwo, ganz entfernt das Radio dein Lied spielen und es passieren die seltsamsten Dinge mit dir.

    • Es kommt auf das Lied an. Ich denke jedes frühere Lieblingslied ist Teil des „Soundtracks of life“ und genau deshalb poste ich hier auch jeden Sonntag ein neues Lied. Und machmal, wenn ich sie dann wieder höre, erinnere ich mich an ein Gefühl, eine Situation oder eine Person, die ich eventuell schon lange vergessen hatte.
      Es tut zwar nicht gut, in der Vergangenheit zu leben, aber es ist doch schön, sich ihrer gelegentlich zu erinnern.

      • Wieso ist es nicht gut in der Vergangenheit zu leben? Ich weiß natürlich das es ein allgemeiner Grundkonsens ist das zu sagen. Ich sag oder denk das ja auch häufig, meistens anderen gegenüber. Aber wieso ist das so? Sich an die Vergangenheit zu klammern ist ein flüchten wollen aus der Realität, so wie es viele andere weitere Fluchtwege gibt. Die meisten werden von außen betrachtet irgendwie negativ bewertet. Wieso ist das so?

      • Es besteht ein wesentlicher Unterschied zwischen: Sich gerne erinnern und in der Vergangenheit hängen zu bleiben bzw. zu leben.
        Ersteres ist wichtig, dann Erinnerungen können helfen oder auch einfach nur erfreuen. Aber etwas nachzutrauern, dass vorbei ist. Zu versuchen etwas zu rekonstruieren, dass kaputt ist. Oder einfach einer Person nachzuhängen, die man nicht mehr ist – all das ist auf Dauer ungesund, denn es hemmt die eigene Weiterentwicklung. Wer dauerhaft in der Vergangenheit verweilt, der wird irgendwann zum Schatten seiner selbst und vergisst, dass Veränderung nur in der Gegenwart stattfinden kann.
        Was vergangen ist, kann man zwar bedauern, darauf aufbauen, daraus lernen und vielleicht kann man sogar den Versuch unternehmen, es richtig zu stellen – aber man kann es nicht ändern. Niemals mehr.
        Deshalb ist es wichtig, die Vergangenheit nicht zu vergessen – schließlich prägt sie einen auch – aber nicht zu vergessen, dass man nur in der Gegenwart etwas verändern kann.

  3. Glaubst du, es gibt Gemeinsamkeiten zwischen in der Vergangenheit leben und Online-Spielsucht? Die Frage kommt mir wenn ich so deine letzten Artikel über deinen Ausstieg lese. (Bitte ignoriere das oder entferne den Kommentar, falls diese Frage zu aufdringlich ist, das würde ich gut verstehen)

    Die Vergangenheit ist übrigens nicht unveränderlich. Sie wird von Tag zu Tag immer besser 🙂

    • Nein, ich finde die Frage nicht aufdringlich, eher interessant.
      „Online-Spielesucht“ ist so ein mediengeneriertes Schreckgespenst, dass man erst einmal auseinander nehmen muss. Denn was ist „Online-Spielsucht“? Ist jemand der täglich sein Gemüse auf Farmville eintreibt spielsüchtig? Ist jemand der beim Online-Poker täglich sein Konto um mehrere Euro hin oder her verschiebt online spielsüchtig? Ist jemand, der jeden Abend seine Konsole anschmeißt und computergenerierte Menschen umballert, spielsüchtig? Ist jemand, der 4-5x die Woche ein MMO zockt, spielsüchtig? Oder wird er es erst 30-35 Std die Woche?
      Die Antwort ist: Ja, alle diese Menschen sind tatsächlich spielsüchtig, aber ihre Sucht wird immer anders gewichtet.
      Farmville oder ähnliches zocken läuft unter „Freizeit“. Online-Poker wird erst dann als gefährlich eingestuft, wenn es ähnliche Ausmaße annimmt wie eine „gewöhnliche“ (also nicht online) Spielsucht. Die „Counterstrike“-Helden gelten dagegen alle als potentielle Attentäter und die WoW-Junkies sind wahlweise sozial nicht tragbar oder auch potentielle Attentäter.
      Was viele aber vergessen…Spielen ist ein Teil der menschlichen Gesellschaft, das war es immer schon. Was sind denn „Monopoli“, „Schach“ etc? Es sind Spiele. Warum schmeißen die Schotten jedes Jahr mit Baumstämmen um sich, warum spielen Kinder verstecken, warum gibt es Sportvereine (Fußball, Volley Ball etc.)? Weil es menschlich ist, Zerstreuung zu suchen. Und es ist ein Trugschluss, dass Computerspiele etwas für dumme Kinder sind…jeder der sich mal mit der Komplexität eines MMO auseinandergesetzt hat, wird das bestätigen.
      Ich habe beispielsweise den Versuch irgendwann aufgegeben, einem Nicht-MMO-Spieler zu erklären, was genau die Aufgabe eines Tanks ist und warum er so wichtig ist. Die meisten hatten schon Probleme, wenn ich es mit dem Unterschied zwischen PVE und PVP versucht habe.
      Und, um das auch einmal klarzustellen: „Ausstieg“ ist nicht ganz richtig. Tatsächlich habe ich aufgehört WoW zu zocken, aber ich spiele immer noch Online-Spiele. Aktuell Herr der Ringe online. Und ich warte auch schon voller Ungeduld auf „Star Wars: The Old Republic“ oder wahlweise Diablo 3 und Guild Wars 2.
      So, nach soviel „BlaBla“ jetzt mal zum Kern der Frage: Ich denke es gibt durchaus eine Paralle zwischen „in der Vergangenheit leben“ und „Online-Spielesucht“ – beides ist eine Flucht aus der Realität, der Gegenwart.
      Allerdings ist Ersteres von dem Wunsch getriegen „früher war alles besser“, „könnte ich doch nur nochmal an diesen Ort“ etc, während man nicht exzessiv zockt, um etwas zu verändern, sondern um etwas zu vergessen: Die harte Realität.
      Es gilt aber hier auch dass, was ich schon zur Vergangenheit sagte: Es ist ein Unterschied ob man sich einfach nur entspannen will oder ob man wirklich fliehen will.

  4. Aus diesem Kommentar solltest du einen Artikel machen. Auch wenn ich PVE und PVP erstmal googeln musste, das ist eine sehr einleuchtende Erklärung. Ein Aspekt noch, oft ist die Ablehnung von Etwas, also z.B. Onlinespiele oder Computerspiele und die daraus resultierende Abwertung zu unsozial, unnormal oder gar krankhaft, durch die Angst oder das Unverständnis zu begründen, dass der Kritiker dem Spieler nicht in dessen Welt folgen kann. Etwas Neues wird verteufelt weil man es nicht kennt und die Jünger des Teufels werden ausgegrenzt. Das ist ein urmenschlicher Instinkt. Ich treibe mich nunmehr seit 20 Jahren in der Online-Welt rum (angefangen mit Mailbox-Netzen) und hatte auch meine intensive Zeit der Computerspielerei (nicht MMO). Und wenn ich mir mein Umfeld betrachte, wie es sich von Ablehnung, Unverständnis, über Akzeptanz hin zu persönlicher Adaption des Themas Internet/Computer (und jede Spielerei die damit verbunden ist) entwickelt hat, dann sehe ich das ganz deutlich. Ich weiß nicht ob dir das Buch Otherlands was sagt, aber darin hat der Autor (Tad Williams), zwar sehr länglich (ich hab auch nur den ersten Band gelesen), aber ich glaube treffend diese stetig zunehmende Verschmelzung zwischen Online/Reallife beschrieben, insbesondere wie sich das Alte (Tradition) im Neuen manifestiert und damit überdauert.

    Zurück zum Leben in der Vergangenheit, ich denke es hat nicht immer damit zu tun das man sein aktuelles Leben als schlecht empfindet, sondern damit das man meint auf dem realen Weg keine Fortschritte mehr machen zu können und sich deshalb eine andere Welt sucht in der das besser geht. Diese andere Welt kann die eigene sein (Vergangenheit) oder eine alternative (virtuelle) Welt. Wer sich dann für welchen Weg entscheidet hängt sehr stark von den persönlichen Rahmenbedingungen ab (Alter, vorhandene Neugier oder Spieltrieb, Ängstlichkeit). Oft erweisen sich diese Wege dann aber als Sackgasse (und Vergangenheit ist definitiv eine), dann kommt man geläutert zurück oder man findet den Rückweg nicht mehr. Letztendlich ist es die Suche nach dem goldenen Pfad für seine eigene kleine Existenz

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