Von bösen Feministinnen, Schlampen und einer wirklich kranken Welt

(c) MorgueFile

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Feministin. Ein Wort, bei dem viele mittlerweile zusammenzucken und an eine scheinheilige Alice Schwarzer, unrasierte Achseln und weite, unmodische, unvorteilhafte Kleider denken. Aber warum eigentlich? Ich meine, dass Männer eine Feministen gleich mit der weit verbreiteten Vorstellung einer „Kampflesbe“ verbinden – ob unbewusst oder bewusst – dass kann ich nachvollziehen. Eine solche Frau macht ihnen Angst. Aber warum tun wir Frauen mittlerweile dasselbe? Wieso sollten wir eine Feministin fürchten?

In der heutigen Zeit ersticken wir beinahe an unserer political correctness – ein Schwarzer ist ein Afroamerikaner, ein Negerkuss heißt jetzt Schaumkuss, „Zefix“  stellt außerhalb Bayerns eine Beleidigung für aufrechte Christen dar und jeder, der auch nur einen Hauch Kritik an Israel äußert, muss sich Antisemit schimpfen lassen. Aber komischerweise ernten Begriffe wie „Schwuchtel“, „Fotze“ oder „Schlampe“ nur ein müdes Schulterzucken. Das sagt doch jeder, da ist doch nichts dabei. Genau, bis jemand sich dagegen äußert, dann hagelt es sofort Entrüstung. Aber nicht für die Kritik, sondern nein – GEGEN den Kritisierenden.

Wenn ein Mel Gibson mit Äußerungen wie „f***g Jew“ um sich wirft, kochen die Gemüter sofort über. Bezeichnet jemand einen Afroamerikaner als „dreckigen N****r“, gehen sofort Frauen und Männer gleichermaßen auf die Barrikaden. Natürlich ist in beiden Fällen eine solche Reaktion von der Öffentlichkeit bzw. dem Umfeld völlig berechtigt und auch wünschenswert. Aber was passiert, wenn ein beliebiger Rapper in seinen Liedern von „dreckigen Schlampen“ und „Schwuchteln“ spricht. Ja, ganz richtig: Nichts.

Und jetzt fragen Sie sich wahrscheinlich: Ja na und? Das sind doch billige Provokationen, damit holt man nicht mal mehr eine Alice Schwarzer hintern Ofen hervor. Das mag schon ganz richtig sein – vor allem weil Frau Schwarzer ohnehin in den letzten Jahren mehr damit beschäftigt zu sein scheint sich medial in Szene zu setzen. Aber, warum ist „f****g Jew“ oder „dreckiger N***r“ schlimm und menschenverachtend, während „f***g Bitch“, „dreckige Fotze“ oder „verdammte Schwuchtel“ einfach unter „Jugendjargon“ laufen?

Ich meine, im ersten Fall werden Menschen wegen ihres Glaubens oder ihrer Hautfarbe verunglimpft. Im zweiten Fall wegen ihres Geschlechts oder ihrer sexuellen Vorlieben.  Was genau ist der Unterschied? Ernsthaft…sagen Sie mir bitte den Unterschied.

Und – wer von Ihnen hat nun innerlich das Gesicht verzogen und gedacht „Das ist doch nicht dasselbe?“. Dann bitte ich Sie nochmals, sagen Sie mir, wo der Unterschied liegt. Sagen Sie mir, warum es völlig in Ordnung ist, Homosexuelle und Frauen zu beleidigen und herabzusetzen, aber gleichzeitig glühend die Rechte von Afroamerikanern oder Juden zu vertreten. Die einzig richtige Antwort darauf MUSS sein: Heuchelei. Beides ist nicht in Ordnung, beides ist menschenverachtend und beides STEHT AUF EINER STUFE. Alles andere wäre eine Lüge.

Feministin. Ganz richtig und stolz drauf. Und hier nochmal zurück zur Ausgangsfrage: Warum sollte Frauen Angst haben zu sagen, dass sie keine „Fotze“ oder „Schlampe“ sein will? Wieso muss man sich komisch anschauen lassen, wenn man kein „hübsches Anhängsel“ sein möchte? Genau gegen solche Schmähungen und Herabsetzungen setzen Feministinnen sich seit Jahren ein und mit welchem Ergebnis – wir Frauen fürchten sie. Vielleicht, weil wir es nicht gerne haben, wenn uns jemand den Spiegel vorhält.

3 Gedanken zu “Von bösen Feministinnen, Schlampen und einer wirklich kranken Welt

  1. Schlampe ist ein Begriff der meist von Frauen für Frauen verwandt wird. Kein Mann kann eine Frau so sehr verletzen wie eine andere Frau.

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