Die Geister im Herzen

(c) Cepolina

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Es ist seltsam, wie die Gedanken immer wieder an längst vergangene Orte zurückwandern. Zurück in Zeiten, in denen man glaubt noch eine Wahl gehabt zu haben. Und stünde ich heute wieder an derselben Stelle, würde ich anders entscheiden? Würde ich den Mut haben, die Dinge auszusprechen, die ich heute noch manchmal zu ihnen sage? Zu den Gesichtern jener, die mal meine besten Freunde oder großen Lieben hätten sein können und letztendlich zu bitteren Enttäuschungen wurden.

Wahre Freunde, so heißt es, hinterlassen Spuren in deinen Herzen. Doch das stimmt nicht. Jeder Mensch der es schafft, dich zu berühren nimmt ein Stück von dir mit sich. Ob im Guten oder im Schlechten, die Erinnerung an diesen Menschen bleibt immer zurück. Die Sekunde in der einem klar wurde, dass man zum ersten Mal verliebt ist. Der Moment in dem man begriff, dass  Freundschaft nicht mal die Grenze einer anderen Schule überwinden kann. Der Augenblick, der einem klarmachte, dass Träume eine Menge Arbeit erfordern.

Vielleicht müssen uns diese Geister manchmal einholen. Uns erinnern, warum wir sie oder sie uns verließen. Und doch, der kleine Teufel im Inneren fragt dennoch gelegentlich „Was wäre wenn?“. Ja, was wäre wenn? Das Problem mit der Vergangenheit ist, dass man sie nicht mehr ändern kann. All die tollen Sprüche die damals etwas verändert hätten, kommen nun zu spät. Der Mut, den wir nun haben, er nützt nichts mehr.

Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem uns niemand vertreiben kann. Sie ist aber auch zugleich die einzige Hölle, aus der uns niemand befreien kann. Denn mit jedem neuen Gesicht steigen alte Dämonen empor um uns zu quälen. Alles was wir einmal vermasselt haben, fürchten wir nun erneut falsch zu machen. Doch sollten wir niemals vergessen: Es bringt nichts, in der Vergangenheit zu verweilen. Uns darin zu verlieren ändert nichts an der Einsamkeit, die wir jetzt verspüren.

Es gibt keine Liebe in der Vergangenheit, nur das Echo dessen, was einst war oder hätte sein können. Leere Worte, enttäuschte Hoffnungen und längst zerbrochene  Träume. Das wahre Leben ist im Hier und Jetzt. Und doch, manchmal, da möchte ich sie alle noch einmal sehen und ihnen sagen was ich seit unserem letzten Treffen in meinem Herzen trage. Vielleicht ist sie doch gut, die Erinnerung, denn dort endet jedes unserer Gespräche mit einem Happy End.

Ein Gedanke zu “Die Geister im Herzen

  1. Da hast du viel Wahres geschrieben. Aber Erinnerung ist manchmal auch wie ein roter Fleck auf der weißen Raufaser. Du kannst noch so oft drüber tünchen, er wird immer wieder durchschimmern, obwohl du ihn doch nur einfach nicht mehr sehen willst.

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