Osama Bin Laden: Ein Massenmörder tötet den anderen

Tja, tot soll er nun sein, erschossen von US-Agenten in Pakistan: Osama bin Laden, der „Terrorfürst“ wie ihn nicht nur die BILD gestern nannte, ist tot. Das Resultat: Feiernde Menschen in den Straßen der USA und dazu die heuchelnden Politiker. „Bin Laden war kein muslimischer Führer, er war ein Massenmörder von Muslimen“, erinnerte Präsident Obama in der Nacht zum Montag an zwei Punkte, die ihn – bei allen sonstigen Unterschieden – mit dem weltweit meistgesuchten Terroristen verbanden.

Gleichzeitig wird nun aber auch heftig vor neuer Terrorgefahr gewarnt, denn jetzt seien sie böse, die Terroristen, weil man ihren „Anführer“ getötet habe. Auch Bundeskanzlerin Merkel, hatte nichts anderes im Sinn, als gleich mal alle darauf aufmerksam zu machen, das Deutschland ja jetzt auch total gefährdet sei. Frage an der Stelle: Warum eigentlich? Vielleicht, weil es ganz toll zur Kampagne Friedrichs passt, der ja die Anti-Terror-Gesetze noch weiter verschärfen will? Oder um es ganz klar zu sagen: Um eine Rechtfertigung zu haben, damit die Menschen noch mehr überwacht werden können. Soll ja nicht am Ende noch jemand eine eigene Meinung entwickeln, Gott bewahre!

Aber bevor man sich diese Frage stellt, gibt es eine weitere, viel entscheidendere: Warum wurde Osama Bin Laden per Kopfschuss hingerichtet? Diese Frage ist tatsächlich wichtig, denn sie führt zur zweiten Frage: Warum hat man ihn nicht festgenommen und vor ein Gericht gestellt? Ich meine, befinden wir uns jetzt wieder im wilden Westen, wo ein Cowboy alles umlegt, was sich ihm in den Weg stellt? Ist das tatsächlich immer noch die Auffassung von „Recht und Ordnung“ in den USA?

Vor allem, der Zeitpunkt dieser Hinrichtung könnte ja passender schon gar nicht sein. Warum fragen Sie? Weil in den USA die Wahlkampfphase für die Präsidentenwahl 2012 beginnt. Und es sieht verdammt schlecht für den guten Obama aus. Was gibt es also besseres, um die Patrioten in den USA auf seine Seite zu ziehen? Richtig: Man liefert ihnen einen Grund zum Jubeln. Dieser Grund ist nun also die Hinrichtung des „Terrorfürsten“ oder wie ein US-Regierungssprecher am Montag es ausdrückte: „Eine Operation mit Tötungsauftrag“.

Nur, was ist der Unterschied zwischen einem Muslimen, der Amerikaner tötet und einem Amerikaner, der Muslime tötet? Richtig: Gar keiner. Es ist kein „Sieg für die Gerechtigkeit“, wenn man einen Mann ohne Gerichtsverfahren einfach abknallt. Das ist Mord. Nichts anderes als kaltblütiger Mord.

Lesenwertes dazu:
Der Spiegel – Tötung Bin Ladens: Gerechtigkeit auf Amerikanisch

4 Gedanken zu “Osama Bin Laden: Ein Massenmörder tötet den anderen

  1. Da stimm ich dir mal in weiten Teilen zu. Ob Angie’s Reaktion was mit den Anti-Terrorgesetzen zu tun hat, weiß man nicht. Genau, wie man so vieles nicht weiß und unsere Generation nie im Leben wissen wird.

    Zu deinen Fragen kann ich nur sagen, dass die Amerikaner die Frage „Hinrichten oder Gefangennahme“ ganz wirtschaftlich sehen. Durch die Liquidation ersparen sie sich Kosten, Aufwand und mindern die Aggression. Stell dir mal vor was in der arabischen Welt erst los wär, wenn der irgendwo in den Staaten festgehalten wird. Das erklärt auch, dass man ihn angeblich bereits „zur See“ bestattet hat.

    An den Reaktionen der breiten Öffentlichkeit in den USA ist ja auch überaus pervers deutlich zu sehen, wie man sich dort über den Tod dieses Menschen freut. Eine faire Gerichtsverhandlung hätte es dort eh nicht gegeben. Vermutlich hätte sie die Todesstrafe zur Folge. Und wer glaubt, dass die Amerikaner ihn an die internationale Gerichtsbarkeit übergeben hätten, lebt auf kleinen, rosa Wolken.

    Diesbezüglich: Ja, Wilder Westen. Das ist aber nicht erst seit gestern klar. Das war schon immer klar. Alles andere, was darüber hinaus geht, ist reine Spekulation.

    • Ob die Amerikaner das Ganze als eine Frage der Liquidität sei dahingestellt, aber selbst wenn sie das tun: Warum dürfen sie es?
      Ganz ehrlich, was denkst du würde passieren, wenn beim nächsten Staatsbesuch im Irak oder Afghanistan, einer Obama eine Kugel zwischen die Augen jagt? Ich meine, aus deren Sicht wäre das sicher genauso gerechtfertigt.
      Hier spräche man aber von „kaltblütigem Mord“ und nicht von einer „Heldentat“ wie die USA sie gerade feiern.

  2. Wie man die Tötung eines Menschen betrachtet und wertet liegt immer an der Sichtweise. Aus meiner Sicht und wahrscheinlich auch aus deiner Sicht ist dieses Mittel in keinem Fall gerechtfertigt, aber wen interessiert unsere Sichtweise!?? Jedenfalls nicht die Amerikaner.

    Dass der überwiegende Teil der Amerikaner im Fall Bin Laden wohl eher von einer Heldentat spricht, liegt in der Natur dieses Volkes. Um das nachvollziehen zu können, muss man dieses Volk und seine Geschichte verstehen.

    Man kann schon froh sein, dass die Medien hierzulande jedenfalls nicht von einer Heldentat sprechen, sondern es immerhin in manchen Momenten auch kritisch betrachten. Auch wenn die Sensationsgeilheit in perversem Ausmaß durchaus rüberkommt.

    • Siehst du, genau das ist das Problem…es interessiert niemand. Das ist eines der ganz großen Probleme unserer Gesellschaft, jeder denkt sich seinen Teil, zuckt mit den Achseln – ums mal auf bayerisch zu formulieren „Ja mei, is halt so“. Kann man nicht ändern, meine Meinung interessiert eh keinen.

      Und das ist genau der Punkt. Vor sagen wir mal 50 Jahren hätte sich kein US-Präsident getraut so ein Statement zu dem kaltblütigen Mord an einem anderen Menschen abzugeben. Warum? Weil die Menschenrechtler und vermutlich auch die Kirche (die nehmen alles was sie kriegen können) ihn zerfleischt hätten. Was ist denn passiert, damals in Korea? Fast das komplette Land war auf den Beinen und hat protestiert – jeder Musiker der irgendwas auf sich hielt hat einen Song geschrieben und heute…nix…nada.

      Damit sage ich nicht, dass sie vor 50 Jahren einen derart kaltblütigen Mord nicht hätten durchführen können – aber sie wären niemals vor die Medien getreten und hätten gesagt: „Ja, wir haben ihn abgeknallt. Gut haben wir das gemacht.“ Ob sie da überhaupt Bin Laden erwischt haben, ist sowieso noch eine ganz andere Geschichte.

      Unsere Medien sind im Übrigen – von ein oder zwei kritischen Stimmen mal abgesehen – kein Stück besser. Terrorfürst hab ich mir nicht ausgedacht, der Titel kommt aus dem Spiegel.

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