Wahlsieg in Finnland: Wie Demokratie plötzlich zu etwas Schlechtem wird

Propaganda ist schon etwas sehr Interessantes. Vor allem wenn man die Hintergründe kennt und sich insgeheim fragt: Warum zum Teufel fällt das eigentlich niemand auf? Die Antwort darauf ist so simpel wie traurig: Weil die Wahrheit wie so oft keinen interessiert.

Eine Meinung, die der Masse widerspricht, führt zu Kopfschütteln im besten und Beleidigungen im schlimmsten Fall. Der Mensch will offensichtlich die Wahrheit nicht hören, denn sie ist niemals schwarz oder weiß, sondern immer von Grautönen durchsetzt und ebenso eindeutig wie unbequem.

Was das nun mit Demokratie und Finnland zu tun hat? Ganz einfach, lesen Sie sich doch einmal die Kommentare unserer Presse zur Wahl in Finnland durch:

Focus – „Wahlerfolg der Euro-Gegner setzt EU unter Druck
SPIEGEL – „Rechtsdruck bei Wahl: Euro-Gegner triumphieren in Finnland
Süddeutsche„Finnland: Rechtsdruck bei Parlamentswahl Wahre Lektionen“

Der Punkt, warum unsere Medien alle so ferngesteuert auf diese Partei eindreschen ist aber eigentlich folgender: Die „Wahren Finnen“ haben etwas gegen die sogenannten EU-Rettungsschirme, bei denen andere EU-Staaten Pleitegeiern wie Portugal, Griechenland oder Irland zur Seite springen. An sich wäre es ja nicht schlimm, wenn man diesen Staaten hilft, nur wie soll man Geld verleihen das man nicht besitzt?

Genau darum geht es nämlich: Sämtliche EU-Staaten sind hochverschuldet und ein Ende der Misere ist längst nicht abzusehen, im Gegenteil. Die weltweite Schuldenspirale dreht sich immer weiter, aber dazu mehr an anderer Stelle. In Finnland haben sich nun offensichtlich die Bürger entschieden, eine Partei zu unterstützen, deren Haupt-Wahlprogramm eben das klare „Nein“ zu den EU-Rettungsschirmen ist.

Diese Rettungsschirme können aber nur in Kraft treten, wenn alle EU-Staaten zustimmen. Was im Rückkehrschluss auch die „rechtspopulistische“ Schiene erklärt, auf die unsere deutschen Medien gerade aufspringen. Denn die Botschaft hinter diesen Headlines ist folgende: Jeder der die EU kritisiert, der ist böse – wahlweise ein Nazi oder ein Terrorist. Dabei wird unterschwellig suggeriert, dass ein „Nein“ zu den EU-Rettungsschirmen im Grunde ein „Nein“ zur Demokratie und den Menschenrechten ist.

Das glauben Sie nicht? Dann lesen sie sich die Artikel doch einfach durch. Dass die „Wahren Finnen“ einige Punkte in ihrem Wahlprogramm haben, die zweifelhaft sind, steht dabei auf einem ganz anderen Blatt. Was hier aber weidlich ausgenutzt wird, ist die Tatsache, dass das Programm der finnischen Partei nur in Landessprache einsehbar ist. Was wiederrum jeden Nicht-Finnen leicht beeinflussbar macht.

Ein Kommentar unter dem Artikel des Focus, fasst die derzeitige Berichterstattung sehr gut zusammen (er/sie möge mir die Freiheit, dass hier zu posten verzeihen):

„Die Überschrift ist Unsinn.

Die EU besteht aus den EU Bürgern. Und wenn die EU Bürger mit der Haltung der EU Bürokraten nicht einverstanden sind, dann sind nicht die Bürger die Zerstörer der EU sondern die EU Bürokraten, welche Politik gegen ihre Wähler machen.

Die Finnen zeigen Demokratie, und die Presse tut so als ob demokratische Entscheidungen etwas Schlechtes wären“

Danke, dass es immer noch denkende Menschen zu geben scheint.

Lesenswertes zum Thema Staatsverschuldung:

Das Investment – Börse 2011: Wer rettet die Retter?
Staatsverschuldung.de: Die Schuldenuhr
Steuerzahler.de: Verschuldung

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