08. März 2011 – Gedanken zum internationalen Frauentag

Tja, ein Thema, dass leider nicht genug polarisiert: Die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Die britische Organisation „Equals?“ an der die Sängerin Annie Lennox beteiligt ist, startete gerade einen mutigen Werbespot mit Daniel Craig, die genau diese Frage aufwirft: „Are we equals“ (Sind wir gleichberechtigt?). Die traurige Antwort: Nein, sind wir nicht.

Doch warum? Sind wirklich die Männer schuld an der Misere? Tatsächlich ist es im Grunde doch so, dass wir Frauen uns häufig selbst torpedieren. Ich meine, betrachtet man mal den Hype vor zwei Jahren um das Buch „Feuchtgebiete“ von Charlotte Roche: Ein abgrundtief schlechtes, widerliches Buch, in dem es nur um Körperflüssigkeiten aller Art (Nasenpopel, vaginale Flüssigkeiten, Blut etc.) und Sex, bevorzugt in den Anus, geht. Aber dieses Buch schaffte es nicht an die Spitze der Bestseller-Listen – nein, es wurde auch als „Sinnbild der weiblichen Emanzipation“ gefeiert.

Ich frage mich an dieser Stelle immer noch: Was bitte hat Arschficken, Arschrasur und eine detaillierte Beschreibung der eigenen Körperflüssigkeiten mit Emanzipation zu tun? Das ist nichts anderes, als der Versuch, einer männlichen Fantasie zu entsprechen. Doch genau darum geht es doch oder? Weibliche Emanzipation ist für viele eine Synonym für Folgendes: Attraktivität. Möglichst stylisch – also knappe Röckchen, enge Hosen, tiefer Ausschnitt – und mit viel Schminke dem Männertraum entsprechen.

Und wer trägt die Schuld: Wir selbst. Eine starke Frau macht Männern Angst, eine Aussage, so alt wie die Welt selbst. Früher wurden starke Frauen verbrannt (in einigen Teilen der Welt immer noch), heute machen ihnen ihre Geschlechtsgenossinnen das Leben zur Hölle:

Fragen Sie mal eine alleinerziehende, arbeitende Frau nach dem Spießrutenlauf im Kindergarten jeden Morgen, wenn die „Mamas“ sich mit spitzen Bemerkungen das Maul zerreißen.

Fragen Sie mal eine Frau, die beruflich vorankommen will,  wie der Krieg hinter den Kulissen tobt: Beruflicher Erfolg bedeutet „die richtigen Schwänze lutschen“, modisches Auftreten oder Vitamin B – also Beziehungen haben. Das eine Frau es tatsächlich durch Fleiß und Wissen zu irgendwas bringt, scheint anderen Frauen völlig unmöglich. Genau deshalb kommen dann auch solche emotionalen Eisblöcke ohne Gewissen wie unsere Bundeskanzlerin an die Macht. Das sind nämlich die einzigen, die das nötige Durchhaltevermögen haben.

Fragen Sie mal einen weiblichen Teenager, nach Ihrem Traumberuf. Die Antworten: Model oder Sängerinnen. Die Stationen hierfür: „DSDS“ oder „Germany’s Next Topmodel“. Für mich Erniedrigung auf höchstem Niveau.

Über eine dominante Männerwelt zu jammern – die nachweislich besteht – ist eine Sache. Doch das größere Problem bleiben jedoch wir Frauen selbst. Wir möchten mehr Rechte, bessere berufliche Chancen und Gleichberechtigung – gleichzeitig wollen wir aber dabei einem Männertraum entsprechen, haben Angst davor, was andere Frauen von uns halten und himmeln Vorbilder wie Paris Hilton oder Heidi Klum an. Frauen, die es ohne Talent, mit viel Vitamin B, absoluter Gefühlskälte und halbwegs gutem Aussehen an die Spitze der Klatschblätter geschafft haben.

Emanzipation? Fehlanzeige.

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