Ein Appell an die Individualität

What if I say I’m not like the others?
What if I say I’m not another one of your plays?
You’re the pretender
What if I say I will never surrender?
(Foo Fighters)

Was bedeutet dagegen? Gegen den Strom, Rebellion oder Verweigerung? Andersartigkeit unerwünscht, so heißt es heute. Ihr habt eine Stimme also benutzt sie, doch gegen wen? Alle meckern & jammern sie aber auf die Aufforderung „Steh auf & tu was“ reagieren sie nur mit einem müden Lächeln. Zu unbequem die Verweigerung, zu einfach das Schwimmen mit der Masse. „Ein Mensch kann nichts verändern“, die Parole der Tatenlosigkeit.

Wer erfand diese Parole & wieso zum Teufel glaubt plötzlich jeder daran? Erinnert sich noch jemand an Gandhi oder an Martin Luther King, an die Worte „I have a dream“? Aber Träume haben keinen Platz mehr in dieser Welt. Sie dreht sich schneller & wer nicht folgen kann der strauchelt & fällt & liegt schließlich am Boden. Nur warum muss ich rennen? Warum darf ich nicht mehr sagen was ich nicht will? Immer wenn ich etwas tue das sie nicht verstehen heißt es wahlweise: „Du spinnst doch komplett“ oder „Du änderst ja doch nichts“. Vielleicht nicht für sie, da gebe ich ihnen sogar Recht, aber wohl für mich.

Ich will nicht. Nicht lügen müssen, nicht so aussehen wie es irgendwer, den ich weder kenne noch je sah als schön oder schick festlegte. Nicht Dinge gut finden, nur weil jeder es tut. Nicht akzeptieren, dass es keine Antwort gibt. Nicht verstehen, dass die Welt nun einmal so ist. Nicht hinnehmen, dass niemand es wagt zu widersprechen. Nicht rechtfertigen müssen, warum ich bestimmte Produkte nicht esse. Ich sage nicht ich wäre intelligenter, besser oder schneller als der Rest. Die meiste Zeit frage ich mich eher, ob ich nicht einfach völlig bescheuert bin.

Ich bin anders. Vielleicht unlogischer, unbequemer oder einfach nicht lernfähig. Wenn das nun bedeutet, dass ihr mich nicht mögt, bitte. Ich glaube einfach nicht mehr an das was sie uns erzählen. Wer kann ernsthaft mit offenen Augen durch die Welt gehen & danach behaupten, es wäre schon alles ganz gut und in Ordnung. Ein Teil der Erde verhungert, der Rest schlägt sich die Köpfe ein oder rennt davon. Vor einem drohenden Krieg, der Arbeitslosigkeit, der Hoffnungslosigkeit oder dem Leben selbst. Kein Wunder, wer würde nicht versuchen diesem Wahnsinn zu entfliehen?

Aber dagegen oder unbequem stehen heute auf der gleichen Stufe wie Terror, Feind oder Gewalt. Ich frage mich, wer entscheidet das? Wer bildet die Meinung für Millionen von Menschen & wann verlernten die Leute eigentlich selbst ihren Verstand zu benutzen? Wem wiederum nützt das & vor allem wie verwendet er diese Macht? Verschwörungstheorien nennt man solche Fragen, zuckt mit den Achseln & dreht sich weg. Eine einfache Frage die bereits als Verschwörung gilt. Bin ich wirklich die Einzige für die das keinen Sinn ergibt? Gegen den Strom also gleichbedeutend mit unlogischem Denken oder sogar Dummheit. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, aber sie haben keine Ahnung.

Den eigenen Verstand einschalten tut nicht weh, auch wenn wir das offenbar glauben sollen. Wir sind so konditioniert auf Gleichgültigkeit, dass wir es nicht einmal mehr merken. Gleichzeitig regen wir uns aber über ein mangelndes soziales Gewissen, fehlende Zivilcourage oder sinnlose Gewalt auf. Dabei verbreiten wir selbst die Saat dafür.

Wir denken nicht, wir übernehmen. Wir glauben nicht mehr an etwas sondern schließen uns einfach der Mehrheit an. Wir diskutieren nicht sondern lassen uns belehren. Wir leben nicht sondern warten auf bessere Zeiten. Am Ende sterben wir, verlassen & gebrechlich, abgeschoben in ein Heim wo wir an unserem eigenen Dreck ersticken & Fragen uns, haben wir eigentlich jemals gelebt?

Wir benutzen Worte wie Liebe & Zuneigung, doch ihre Bedeutung kennen wir nicht mehr. Die Zukunft liegt nicht in der Gemeinsamkeit sondern im Alleinsein. Wie können wir auch ein Zusammen erreichen, wenn wir in der permanenten Suche nach mehr Geld von einem Ort zum anderen wandern? Nomaden der Neuzeit. Geld bedeutet schließlich Macht & diese ebnet den Weg zur Freiheit. Von welcher Freiheit ihr da auch immer redet, geboren in ihrer Abhängigkeit zum Geld.

Schönheit, Reichtum & Erfolg daran messen wir uns & unsere Mitmenschen. Große Autos, große Klunker, Plastik & Glamour, das beherrscht die Massen. Davon träumen sie, danach verzehren sie sich. Dafür legen sie sich unters Messer, lügen, betrügen, schlagen & morden. Für ein besseres Leben, ein einfacheres Leben, ein Leben in Sklaverei.

Wenn das eure Freiheit ist, dass eure Träume beherrscht, dann bin ich froh dass ich ihr mich als unlogisch oder dumm bezeichnet. Meiner Ansicht nach werden wir nicht geboren um zu dienen oder zu herrschen sondern um zu leben. Wir sind nicht dafür gemacht um zu funktionieren sondern um zu fühlen. Unsere Aufgabe sollte nicht sein, alles blind auswendig zu lernen & blind zu übernehmen, sondern selbst zu denken. Wahre Freiheit beginnt im Geist nicht in der Schule, der Universität oder der Arbeit.

Ich weiß meine regelmäßigen Aussetzer stoßen stets auf Unverständnis & Kopfschütteln, aber ich frage mich ob ich wirklich so falsch liege. Aber jeder Glaube, jede Überzeugung bleibt am Ende doch immer individuell und somit jedem selbst überlassen. Meinem Gefühl nach existiert die ach so hochgelobte Individualität nur noch als Wort. Genau wie wahre Liebe offenbar nur noch Dutzenden schmalziger Mainstream-Popsongs entspringt. Schließlich liebt & entliebt man sich heute in etwa so schnell, wie man seine Hosen wechselt. Genauso schnell wie man sein Wort bricht oder seine Meinung ändert. Überzeugungen, Gefühle & der Mut zu sich selbst zu stehen gehen immer mehr verloren. Deshalb die Frage, was bedeutet dagegen, gegen den Strom, Rebell oder Verweigerung & warum darf ich das alles nicht mehr sein?

Ich will nicht kämpfen, ich mache nur nicht mehr mit. Ich will niemand angreifen, ich sage nur was ich denke. Aber offenbar darf man in dieser Welt nicht mehr anders sein. Ehrlich gesagt, das interessiert mich nicht mehr.

Kraft kommt nicht aus körperlichen Fähigkeiten, sie entspringt einem unbeugsamen Willen.
(Mahatma Gandhi)

Ein Gedanke zu “Ein Appell an die Individualität

  1. Hallo Daniela,
    wau, dass ist ein super Beitrag, Du hast meine Gedanken/Empfindungen auf „Papier“ gebracht. Schön zu wissen das es noch Menschen gibt die einen Verstand haben!
    >> Man kann die Menschen nichts lehren, man kann ihnen nur helfen, es in sich selbst zu entdecken<<

    Liebe Grüsse

    Hanspeter

    PS. Ich erlaube mir "Deine geistigen Ergüsse" die mit meinen synchrom sind, auf anderen Plattformen zu publizieren, hoffe das ist ok?!

    http://goals56.wordpress.com/2010/12/21/%e2%80%9ewer-fuhrt-regie-in-ihrem-leben%e2%80%9c/

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